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Folder Barrierefreie Haushaltsgeräte

  • Coverbild Folder © BSVÖ

Im Rahmen des heurigen Tags des Weißen Stockes am 15. Oktober haber wir einen Folder über unser Anliegen produziert. Sie finden den gesamten Text sowie den Folder als PDF zum Download in diesem Artikel.

Barrierefreie Haushaltsgeräte
Selbstbestimmt durch den Alltag

Moderne Haushaltsgeräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber nicht alle Haushaltsgeräte lassen sich auch barrierefrei bedienen. Modernes Design, Touchscreens, fehlende taktile Information oder Sprachausgabe bringen keine Alltagserleichterung sondern Alltagsfrust. Lesen Sie hier nach, welche Anforderungen an barrierefreie Haushaltsgeräte gestellt werden und wieso "Design for all" der Weg ist, der ans Ziel führt!

Moderne Technik & Barrierefreiheit dürfen kein Widerspruch sein!

Haushaltsgeräte, wie z.B. Geschirrspüler, Wasch­maschinen und Küchenherde, sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und in so gut wie jeder Wohnung vorhanden. Dass manche Menschen durch die in den letzten Jahren sehr rasch fortschreiten­den technologischen Entwicklungen vor besonderen Herausforderungen und oftmals vor unüberwindbaren Hürden stehen, ist nur den Wenigsten bewusst. Moderne Haushaltsgeräte werden immer smarter und sind fast ausschließlich nur noch über Touchscreens oder Sensortasten bedienbar. Das führt dazu, dass blinde und sehbehinderte Menschen sowie Personen mit motorischen oder neurologischen Einschränkun­gen diese Geräte nur noch schwer oder gar nicht mehr bedienen können. Dasselbe gilt übrigens auch für die zunehmende Zahl der Seniorinnen und Senioren.

MODERNE TECHNIK FÜR ALLE

Diese Situation führt zu einer enormen Diskriminie­rung und zu einem groben Einschnitt in die Selbstbe­stimmtheit. Dabei schließen moderne Technik und Barrierefreiheit einander eigentlich nicht aus – im Gegenteil: Smartphones, Tablets, Fernsehgeräte oder Geldausgabeautomaten sind dank Sprachausgabe recht gut bedienbar. Somit ist nicht die moderne Technik das Problem, sondern vielmehr das mangelnde Wissen über diese Problematik, die fehlende Bereitschaft der Entwickler und die unzureichende gesetzliche Verankerung.

Selbstbestimmt durch den Alltag

Sowohl die rund 80 Millionen Menschen in der EU, die mit unterschiedlichen Arten von Behinderungen leben, als auch die stetig wachsende Gruppe von Personen über 65 Jahre sind durch manche technische Ent­wicklungen, die auch die Haushaltsgeräte betreffen, in deren Verwendung eingeschränkt. Trotz dieser großen Anzahl an Menschen stehen zumeist gar keine völlig barrierefrei bedienbaren Haushaltsgeräte zum Kauf zur Verfügung.

MITEINBEZIEHEN IN DEN PLANUNGSPROZESS ALS LÖSUNGSANSATZ

Barrierefreie Haushaltsgeräte stellen für einen großen Teil der Menschen einen Mehrwert dar. Durch das Einbezie­hen von Vertreterinnen und Vertretern betroffener Per­sonengruppen in den Planungs-­ und Entstehungsprozess sowie in Produkttestungen werden Wissen und Erfah­rung berücksichtigt, was letztendlich auch eine Kostener­sparnis darstellt und die Kundenzufriedenheit erhöht.

ES GIBT KEINE ALTERNATIVEZU BARRIEREFREIHEIT

Solange es keine vollständig barrierefreien Haushalts­geräte gibt, müssen blinde und sehbehinderte Men­schen vorübergehend andere Maßnahmen setzen, um sie bedienen zu können. Um diese Möglichkeiten zur Nachrüstung müssen sich die Betroffenen allerdings nicht nur selbst kümmern, sie müssen finanziell auch selbst dafür aufkommen. Das bedeutet, dass blinde und sehbehinderte Personen ein Gerät zum Normalpreis kaufen und dann zusätzlich noch selbst sowohl den zeit­lichen als auch den finanziellen Aufwand haben, dieses für sich zumindest teilweise bedienbar zu machen! Auch die Möglichkeit, Haushaltsgeräte über Apps oder Sprachassistenten zu bedienen, stellt eine Chance dar, sollte aber nur als Ergänzung dienen.

WIR FORDERN „DESIGN FOR ALL“!

Haushaltsgeräte müssen ohne eine Art von Anpassung oder Nachrüstung von allen Menschen gleichermaßen bedienbar sein. Das Ziel ist also die konsequente Um­setzung eines „Design for All“.

Gemeinsam ans Ziel: „Haushalt DACH“

Eine länderübergreifende Arbeitsgruppe nimmt sich dieses Themas an und setzt sich für eine Bewusst­seinssteigerung in der Öffentlichkeit, in den Medien, in der Politik und in der Wirtschaft ein. Der BSVÖ ist gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Blinden­ und Sehbehindertenorgani­sationen aus Deutschland und der Schweiz in dieser Arbeitsgruppe vertreten.

DIE FORDERUNGEN DER ARBEITSGRUPPE „HAUSHALT DACH“ SIND:

  • Beseitigung der Diskriminierung: Anwendung von „Design for All“
  • Teilhabe am technischen Fortschritt: Wahlfreiheit beim Kauf und verständliche Bedienungsanleitungen
  • Einbeziehung der Barrierefreiheit als Zielsetzung in den Entwicklungs­- und Designprozess und als Kriterium in Warentests

Eigenschaften barrierefreier Haushaltsgeräte

Folgende Eigenschaften tragen zur Barrierefreiheit von Haushaltsgeräten bei:

  • Mehr-­Sinne-­Prinzip = Wahrnehmung und Bedienung eines Gerätes müssen über mindestens zwei Sinne möglich sein. Das heißt, neben visuellen Informationen muss es zum Beispiel auch eine Sprachausgabe geben und/oder die Einstellungen müssen über tastbare Bedienelemente vorgenommen werden können.
  • Vorhandensein einer barrierefreien, leicht verständlichen Bedienungsanleitung in zugänglichem Format.
  • Kontraste müssen deutlich oder verstellbar sein.
  • Schrift muss gut leserlich bzw. Schriftgröße anpassbar sein.

Kommentar Präsident Dr. Markus Wolf

»Auch blinde und sehbehinderte Menschen haben das Recht, ihre Haushaltsgeräte selbst­ständig und ohne Hilfe zu bedienen. Das Ziel ist die konsequente Umsetzung eines „Design for All“ – auch bei Haushaltsgeräten. Es ist technisch machbar und bereitet finanziell auch keine zusätzlichen Kosten, wenn die Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht wird und blinde und sehbehinderte Menschen in die Entwicklung eingebunden werden.« Dr. Markus Wolf, Präsident des BSVÖ

Gemeinsam mehr sehen

Der Blinden­ und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ) ist eine Selbsthilfeorganisation und ein gemeinnütziger Verein ohne Bindung an eine Partei oder Konfession. Die Bemühungen und Unternehmungen des BSVÖ und seiner sieben Landes­organisationen in allen Bundesländern sind durch den Leit­gedanken bestimmt, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und dadurch dazu beizutragen, dass blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Der BSVÖ ist in folgenden Bundesländern vertreten: Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien (Sitz auch für Niederösterreich, Burgenland). Insgesamt vertritt er die Interessen von 318.000 blinden und sehbehinderten Menschen in Österreich.

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