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BSVÖ: Schulstart! Zukunft auf Barrierefreiheit bauen.

  • Schulstart © bsvö

Der Schulstart ist da: Die Rucksäcke sind gepackt, Stundenpläne stehen – und für viele Kinder beginnt ein neues Abenteuer. Für blinde und sehbehinderte Kinder ist der Schuleintritt ebenso ein aufregender Neuanfang. Zugleich aber stellen sich hier auch ganz andere Fragen: sind genügend Ressourcen vorhanden, um den Förderbedarf zu decken und darüber hinaus die Potenziale, Talente und Interessen nach Kräften zu fördern? Oder sind die Chancen auf gleichberechtigte und qualitativ hochwertige Bildung von Anfang an gering …

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wird. So auslutscht dieser Satz auch sein mag, so viel Wahres steckt nach wie vor in ihm. Bildung ist nach wie vor eines der wichtigsten Kapitale, das einem Menschen auf dem Weg ins Erwachsenensein mitgegeben werden kann. Wenn Bildungschancen aufgrund von fehlenden Ressourcen, Ausbildungseinrichtungen oder qualifiziertem Lehrpersonal schrumpfen, bringt das später klare Nachteile mit sich. Nicht gefördertes Potenzial auf der einen Seite, aber auch eine Schlechterstellung am ohnehin problematischen Arbeitsmarkt, bedeuten sowohl für die betroffenen Menschen, als auch die Gesellschaft einen großen Verlust.

Barrierefreiheit gehört in die Schultüte  

Bildungschancen hängen immer zu einem großen Teil von den vorhandenen Ressourcen ab. Werden Schüler:innen mit genügend gut aufbereiteten Lehrmitteln versorgt und von einem pädagogischen Personal unterrichtet, das seinen Job gerne und ebenfalls mit genügend Ressourcen gesichert ausführt? Ist der Weg zur Bildungseinrichtung sicher? Ist ein eigenständiges Lernen möglich? Werden Talente erkannt und gefördert und wird Bedarf ebenso individuell berücksichtigt? All das spielt für alle Lernenden eine essentielle Rolle. Für Schüler:innen mit Behinderungen aber zählt es besonders stark. Das hat einerseits mit Wahlmöglichkeiten zu tun – ein Schulwechsel ist nicht immer so einfach zu bewerkstelligen und muss viele Faktoren berücksichtigen – andererseits aber hat es auch mit einer Zukunft zu tun, die viele zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.

Damit gute Bildung im Kinder- und Jugendalter gelingt, braucht es ein inklusives, ganzheitliches gedachtes Bildungssystem, in dem alle ihrem Bedarf entsprechend gefördert und gefordert werden. Sind die Ressourcen hierfür aufgrund von budgetären Engpässen begrenzt, zerfällt das Kartenhaus Bildung. Hier darf nicht der Sparstift angesetzt werden; dafür steht zu viel am Spiel. Werden Schüler:innen heute nicht gefördert, werden Zukunftschancen verbaut.

Digital lernen kann Zugänge schaffen

Die Digitalisierung kann, wenn sie nachhaltig und barrierefrei gestaltet ist, für die Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen Möglichkeiten eröffnen, die weit über die bloße technische Übertragung analoger Inhalte hinausgehen. Lernmaterialien können flexibel aufbereitet, an individuelle Bedürfnisse angepasst und in unterschiedlichen Formaten zugänglich gemacht werden. Damit verschieben sich die Grenzen dessen, was im konventionellen Unterricht möglich ist. So zumindest in der Theorie. Denn auch, wenn die Digitalisierung und die Verlagerung von Inhalten in den digitalen Raum mehr und mehr zum Alltag wird, bedeutet das noch nicht, dass sie auch nahtlos ins Schul- und Bildungswesen integriert werden kann. Ihr Potential muss mitgedacht und genützt werden, wenn neue Lehrpläne und Projekte überlegt werden. Zugleich gibt es auch hier so einiges zu bedenken. Können digitale Inhalte stabil, barrierefrei und niederschwellig von allen erreicht und genutzt werden? Welche Geräte sind notwendig, um digitalen Unterricht zu gestalten? Und Wie lässt sich das alles finanzieren?

Ein anschauliches Beispiel für eine digitalisierte Lern- und Lehroption zeigt sich mit „Buchknacker“, einem Projekt der Hörbücherei des BSVÖ. Buchknacker ist eine barrierefreie Online-Bibliothek für Kinder und Jugendliche mit Legasthenie, Dyslexie, ADHS oder anderen Lesebeeinträchtigungen, die zahlreiche Hörbücher und E-Books für selbstbestimmtes Lesen und Hören bietet und laufend aktualisiert wird. Die digitale Plattform schafft für Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung einen selbstbestimmteren Zugang zu Büchern und damit zu einem zentralen Bestandteil schulischer und persönlicher Bildung. Literatur soll schließlich nicht davon abhängen, ob jemand die gedruckte Seite sehen kann. Wenn Bücher und Lerninhalte in zugänglicher Form verfügbar sind, wird digitale Technologie zu einem Instrument, das Selbstständigkeit stärkt, Teilhabe ermöglicht und Bildungswege erweitert. So unterstützt Buchknacker Bildungsgerechtigkeit, Inklusion und die gleichberechtigte Teilhabe am Unterricht. Mehr erfahren Sie hier: https://www.buchknacker.at/iguanalega/www.main.cls?surl=at

Früh fördern, nachhaltig stärken

Barrierefreie Bildung beginnt allerdings lange bevor das erste Schulbuch aufgeschlagen und der erste Stundenplan ausgeteilt wird. Je früher Kinder entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse gefördert werden, desto besser können sich Fähigkeiten entwickeln und desto eher lassen sich Bildungsbiografien von Anfang an so gestalten, dass nicht Defizite, sondern Möglichkeiten im Mittelpunkt stehen. Frühförderung ist somit  eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Kinder mit Behinderungen ihre Entwicklungschancen von Beginn an ausschöpfen können.

Bildungswege verlaufen nicht in kurzen, sauber voneinander getrennten Etappen, sondern bauen aufeinander auf. Was in der Frühförderung begonnen und in der Volksschule weiterentwickelt wurde, muss auch in späteren Schulstufen, in der beruflichen Orientierung und darüber hinaus zugänglich und unterstützbar bleiben. Denken wir noch einmal an die Redewendung vom Beginn: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir – in diesem Sinne darf Bildung auch nicht als Sprint mit Ziellinie betrachtet werden, sondern als ein Weg, der vom frühkindlichen Lernen bis hin zum Lernen im Alter führt. Ein Weg, auf dem die Rahmenbedingungen immer wieder an neue Anforderungen angepasst werden müssen.

Zukunft braucht Zugänglichkeit

Der BSVÖ fordert deshalb inklusive und hochwertige Bildungsbedingungen für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche – und zwar nicht als Sonderlösung, sondern als selbstverständlichen Bestandteil eines Bildungssystems, das seinem Anspruch auf Chancengerechtigkeit tatsächlich gerecht wird. Kinder und Jugendliche müssen die Möglichkeit erhalten, ihre Interessen zu entdecken, Talente zu entfalten und Kompetenzen zu entwickeln, die ihnen später ein möglichst selbstbestimmtes Leben und eine gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitswelt ermöglichen.

Sehr gut oder doch nur genügend?

Ein gelungener Schulstart bedeutet mehr als einen neuen Stundenplan, eine gut gefüllte Schultüte und ein Platz in der ersten Reihe. Er bedeutet, dass ein Kind mit Zuversicht in seine Bildungslaufbahn starten kann, weil die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden, dass es nicht gegen vermeidbare Barrieren ankämpfen muss, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: lernen, entdecken, wachsen und Zukunft gestalten.

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich wünscht allen Schüler:innen einen guten Start in das neue Schuljahr!

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