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Barrierefreie QR-Codes im Print: Wenn die digitale Tür erst gefunden werden muss

  • barrierefrei erklärt © BSVÖ

QR-Codes verbinden gedruckte Informationen mit digitalen Angeboten. Gerade für blinde und sehbehinderte Menschen bieten sie großes Potenzial: Gedruckte Inhalte können durch Audiodateien, zugängliche Webseiten oder für Screenreader geeignete Dokumente ergänzt werden. Doch damit dieser digitale Zugang genutzt werden kann, muss der QR-Code zunächst gefunden werden. Wie finde ich ihn beispielsweise auf einer Infosäule im Museum oder auf einem Plakat?

Vom Muster zum digitalen Zugang

Ein QR-Code („Quick Response Code“) ist ein zweidimensionaler Code, der Informationen in Form eines quadratischen Musters speichert. Er verweist meist auf eine Website, eine Audiodatei oder ein digitales Dokument.

Entwickelt wurde der QR-Code 1994 vom japanischen Unternehmen Denso Wave, ursprünglich für die Automobilindustrie. Ziel war es, einen Code zu entwickeln, der mehr Informationen speichern kann als herkömmliche Strichcodes und gleichzeitig schnell und zuverlässig gelesen werden kann. Die charakteristischen Quadrate in den Ecken ermöglichen der Kamera, den Code zu erkennen und die Ausrichtung zu bestimmen.

Im Alltag verbreiteten sich QR-Codes zunächst vor allem in industriellen Bereichen. Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones wurden sie auch für die breite Öffentlichkeit interessant. Einen wichtigen Schritt machte die Integration der QR-Code-Erkennung direkt in Smartphone-Kameras: Bei iPhones ist das Scannen von QR-Codes beispielsweise seit iOS 11 (Release 2017) ohne zusätzliche App möglich.

Während Smartphone-Kameras QR-Codes zuverlässig erkennen, stellt sich für blinde Menschen eine andere Frage: Wo befindet sich der QR-Code überhaupt?

Den QR-Code finden

Für sehende Menschen ist ein QR-Code durch seine markante Form meist leicht erkennbar. Blinden Menschen fehlt diese visuelle Orientierung. Auf Flyern, Broschüren oder Informationstafeln ist ohne zusätzliche Kennzeichnung nicht erkennbar, ob und wo sich ein digitaler Zugang befindet.

Auch Menschen mit Sehbehinderung können Schwierigkeiten haben. Größe und Kontrast des Codes, Papierqualität, Beleuchtung oder eine unübersichtliche Gestaltung erschweren das Auffinden zusätzlich.

Orientierung durch taktile Kennzeichnung

Für die Auffindbarkeit eines QR-Codes gibt es unterschiedliche taktile Kennzeichnungen. Häufig wird eine tastbare Umrandung rund um den QR-Code eingesetzt. Daneben gibt es auch andere Markierungen, beispielsweise ein Symbol in Form eines rechten Winkels mit drei Punkten oder weitere taktile Varianten. Sie sollen darauf hinweisen, dass sich an dieser Stelle ein digitaler Zugang befindet.

Der Normentwurf EN 18156 beschreibt Anforderungen an taktile Beschriftungen mit Brailleschrift und erhabenen Zeichen. Sie enthält auch Vorgaben für die taktile Markierung von QR-Codes. Danach sollen QR-Codes einheitlich in einer Ecke plaziert werden, vorzugsweise in der rechten unteren Ecke. Sie sollen von einer durchgehenden tastbaren Umrandung mit einer Profilhöhe von mindestens 1,2 Millimetern umgeben sein. Zwischen QR-Code und Umrandung ist ein Abstand von mindestens 2 Millimetern vorgesehen. Zusätzlich soll die Braille-Kennzeichnung „qr“ neben der Umrandung angebracht werden.

Braille als Ergänzung

Braille kann darauf hinweisen, dass sich an dieser Stelle ein QR-Code befindet oder welche Art von Information dahinter abrufbar ist, etwa eine Audiobeschreibung oder weiterführende Inhalte. Braille allein genügt jedoch nicht. Zum einen lesen nicht alle blinden Menschen Brailleschrift, zum anderen ersetzt die Beschriftung keine tastbare Orientierung zum eigentlichen Zugangspunkt.

Ein barrierefreier Zugang beginnt bei der Gestaltung

Ein QR-Code allein macht Information noch nicht barrierefrei. Erst das Zusammenspiel aus auffindbarem Zugang, technischer Nutzbarkeit und barrierefreien Inhalten schafft ein zugängliches Informationsangebot.

Quellen:

https://www.heise.de/news/iOS-11-liest-QR-Codes-und-NFC-Tags-3737072.html

https://www.parlament.gv.at/services/barrierefreiheit/barrierefreier-besuch/ausstattung/index.html

Normentwurf ÖNORM EN 18156 „Taktile Schriften – Anforderungen an die Darstellung und Anbringung von Braille- und erhabenen Zeichen“

 

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