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BSVÖ im Fokus: Disability Pride Month. Gute Sprache, schlechte Sprache?

  • BSVÖ im Fokus © BSVÖ

Im BSVÖ-Fokus widmen wir uns den Monat Juli über dem Disability Pride Month und mit Fragen nach Inklusion und einer gerechten Gesellschaft. Aber wo fängt Inklusion eigentlich an? Erst im Handeln? Wir meinen: schon im Reden. Denn Sprache verrät mehr über Denkstrukturen und innere Einstellungen, als sich viele bewusst sind. Und genau hier können die Verbesserungen (aber auch die Probleme) so richtig anfangen…

Worte wirken. Sie können verbinden, Respekt ausdrücken und Teilhabe fördern – oder Menschen ausgrenzen, verletzen und auf ein einziges Merkmal reduzieren. Ander betrachtet: Inklusion beginnt nicht erst bei barrierefreien Gebäuden oder zugänglichen Websites. Sie beginnt mit der Art, wie Menschen über (marginalisierte) Gruppen sprechen, welche Zuschreibungen mitschwingen und wie viel Raum ihnen zugestanden wird.  

 

Gute gemeint, schlecht formuliert

Sie ist noch immer zu lesen und zu hören: die eingefahrenen Floskeln der „an den Rollstuhl gefesselten“, die „Handicaps“, „speziellen Bedürfnisse“ oder schlichtweg „die Behinderten“. In Medien, in Gesprächen tauchen sie auf, die vermeidlich gut gemeinten Ausdrücke, die dann aber doch verletzend und diskriminierend, ausgrenzend und überholt sind. Nicht immer stehen dahin waschechte Vorurteile, oft genug sind es unüberlegt artikulierte Begriffe, die sich über Jahrzehnte im Sprachgebrauch festgefahren haben. Entschuldigt das die Sprecher:innen? Nicht direkt, denn Sprache darf nicht unterschätzt werden. Sie drückt Denkstrukturen aus und schafft Aufmerksamkeit für Umstände und Gruppen, die andernfalls unsichtbar blieben.

Kontext ist alles

Die Bedeutung und die Zuschreibungen, die einem Begriff inneliegen, sind auch davon abhängig, wer sie in den Mund nimmt. Wichtig ist, hier zwischen Selbst- und Fremdbezeichnung zu unterscheiden. Womöglich fallen in diesem Kontext andere Selbstbezeichnungen, als Außenstehende verwenden dürfen – und das im Sinne einer Aneignung, die den ursprünglichen, abwertenden Wortgebrauch neu definiert. Das heißt, dass diskriminierende Fremdbezeichnungen von betroffenen Menschen selbst vereinnahmt und positive besetzt werden und somit neue und eigene Deutungshoheit zu erlangen.

Wie jetzt?

Jede und jeder kann dazu beitragen, diskriminierende Sprache zu vermeiden. Das beginnt damit, Menschen so zu bezeichnen, wie sie selbst bezeichnet werden möchten. Wer unsicher ist, darf nachfragen.

Respektvolle Sprache bedeutet jedoch nicht, ständig Angst haben zu müssen, etwas Falsches zu sagen. Sprache entwickelt sich weiter, und nicht alle Menschen bevorzugen dieselben Begriffe. Entscheidend ist die Haltung dahinter: offen zuzuhören, dazuzulernen und Menschen mit Behinderungen als Expert:innen in eigener Sache ernst zu nehmen. Das Motto der internationalen Behindertenbewegung bringt diesen Gedanken auf den Punkt: „Nichts über uns ohne uns.“ Wer über Inklusion spricht, sollte Menschen mit Behinderungen nicht nur erwähnen, sondern alle Perspektiven anhören, mitdenken und vor allem ernst nehmen.

Wer nach „richtigen“ und „falschen“ Ausdrücken sucht, wird im Internet bald fündig – viele Organisationen bieten einen Leitfaden zu sensibler und aktueller Sprache an, die überholte und abwertende Begriffe durch angebrachte Ausdrücke ersetzt und ein gutes Regelwerk bietet, sich durch sprachliche Unsicherheiten zu navigieren, ohne dabei unterzugehen.

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