Barrierefrei getestet: Vine C1 oder Das Ende einer Ära und ein neuer Anfang.
Seit kurzem bietet die Hörbücherei des BSVÖ eine solarbetriebenen E-Book-Reader an, der den Abschied von der CD als Trägermedium für Hörbücher vereinfachen soll. Gelingt dem Vine C1 der Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit? Ja mit Vorbehalt, meint unser Tester!
Als damals noch Kasettenboxen kamen...
Wenn ich so auf die technischen Entwicklungen zurückblicke, welche ich mit meinen 42 Jahren erleben durfte, fühle ich mich manchmal wie ein alter Opa. Bei den Entwicklungen in den Hörbüchereien trifft dies definitiv zu!
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich im November 2002 zum ersten Mal davon hörte, dass die Hörbüchereien in Zukunft CDS mit einem Format namens Daisy an Ihre Mitglieder versenden würden. Da dachte ich zum ersten Mal darüber nach, deren Angebote zu nutzen. Bis dahin kam dies aus mehreren Gründen nicht in Frage.
Vier gute Gründe, warum ich noch gewartet habe
1: Ich war damals noch Schüler, und für den Unterricht war das Angebot dieser Einrichtungen unbrauchbar. Dort muss man sicher sein können, dass man sein Buch innerhalb der zehn Monate erhält, die ein Schuljahr dauern. Das konnten die Hörbüchereien nicht garantieren.
2: Es galt eine Ausleihfrist von vier Wochen und die hätte ich in Zeiten des Prüfungsstresses nur schwer bis gar nicht einhalten können.
3: Jede Bücherei hatte ihren eigenen Katalog, weshalb schon der Bestellvorgang extrem umständlich gewesen wäre.
4: Meine ohnehin schon stark gestresste Mutter hätte nicht viel Freude damit gehabt, ständig Kassettenboxen spazieren zu tragen. (Nein, damals gab es noch keine Assistenz).
Neuer Lesespaß? Den Vince C1 entdecken.
Da ich nach der Matura mit dem Einstieg ins Berufsleben beschäftigt war, sollte es noch bis 2007 dauern, ehe ich zu einem begeisterten Hörer wurde.
2015 zählte ich zu den Ersten, die den Bücherdownload nutzten. Und nun werde ich wohl erleben, wie die CD langsam aber sicher aus dem Angebot der Hörbibliotheken verschwinden wird.
Die Hörbücherei bietet deshalb seit kurzem ein günstiges, aber trotzdem extrem leistungsstarkes Gerät namens Vince C1 an.
Ich nutze zwar schon seit fast 10 Jahren keine CDS mehr, aber mich hat der günstige Preis von 40 Euro neugierig gemacht.
Zum Vergleich: Ein neues Gerät von meinem immerhin 9 Jahre alten aktuellen Daisyplayer würde 700 Euro kosten.
Die Hörbücherei hat mir extrem schnell ein Gerät zugesendet, welches ich 2 Wochen kostenlos testen durfte.
Ein Player für die Hosentasche
Der Player hat zirka die Größe einer Zigarettenschachtel. Er verfügt über einen Lautsprecher, ein Solarpanel und ein Tastenfeld mit insgesamt 7 Knöpfen. Außerdem gibt es Anschlüsse für Kopfhörer, USB und einen Einschub für eine Mini-SD-Karte.
Was wir uns auch bewusst machen müssen: Die eigentliche Zielgruppe dieses Gerätes sind nicht mit Technik aufgewachsene Nutzer wie ich, sondern spät erblindete Personen, die sich mit der Erlernung von digitalen Hilfsmitteln etwas schwer tun.
Was dafür spricht
Positiv: Es ist super, dass die Hörbücherei eine Kurzanleitung für das Gerät erstellt hat. Diese hat mir den Einstieg sehr erleichtert! Ich wäre sonst schon beim Einschalten gescheitert, weil ich den Knopf sicher keine drei Sekunden festgehalten hätte.
In der Anleitung wird behauptet, das Gerät könnte auch mit 128-GB-Speicherkarten genutzt werden. Da wäre ich vorsichtig.
Die Tasten sind gut fühlbar und jene für die Lautstärke setzen sich vom Rest deutlich ab.
Der interne Speicher beträgt immerhin 8 GB.
Der Lautsprecher klingt erstaunlich gut.
Durch die mitgelieferten Kabel kann man gleich loslegen.
Das Solarpanel ist eine großartige Idee!
Was dagegen spricht
Negativ: Wer seine Lieblingsmusik abspielen will, muss auf „kreative Lösungen“ zurückgreifen, damit der Ordner vom Gerät erkannt wird.
Die genutzten Speicherkarten sind extrem klein, was für vollblinde Personen zur Herausforderung werden kann, wenn die mal auf den Teppich rutschen.
Der fehlende Sprachsynthesizer hält den Preis niedrig, dürfte für manche Nutzer aber die Handhabung erschweren.
Fazit
Ich bin begeistert, wie viel Power man für 40 Euro bekommen kann!
Unser Tester: Daniel Miskulnig
Ich habe meine ersten Computererfahrungen 1993 mit MS DOS gemacht und arbeite seit 2004 als Informatiker beim Land Kärnten. In meiner Freizeit versuche ich die Blechkiste so weit wie möglich zu meiden. Besonders gerne verbringe ich sie mit Hörbüchern und gutem Essen, und schwinge unheimlich gerne das Tanzbein damit auch die Bewegung nicht zu kurz kommt.

