BSVÖ im Fokus: Hundstage. Badespaß mit Rutschgefahr
Pack die Badehose ein! Wenn die Temperaturen steigen, suchen viele Abkühlung im Bad. Zwischen Wellenbecken und Kantine, Liegewiese und Badestrand kann der Badespaß für blinde und sehbehinderte Menschen aber oft zum Hindernislauf werden. Was es braucht, damit niemand untergeht, haben wir für Sie zusammengestellt.
Wo geht’s hier zur Dusche?
Das Problem beginnt oft schon am Eingangsbereich. Lange Schlangen an heißen Tagen verstellen den Gehweg, kreuz und quer abgestellte Fahrzeuge, Fahrräder, Roller, Kinderwägen engen die Umgebung ein. Drinnen angekommen, erstrecken sich die meisten Freibädern als weitläufige Fläche, die aus verschiedenen Bodenoberflächen besteht und nur in den seltensten Fällen mit taktilen Bodeninformationen ausgestattet ist. Es fehlen Hinweise, die sowohl die Orientierung als auch die selbstständige Nutzung der Anlage erschweren. Bereits der Weg vom Eingang zu den Umkleiden, Duschen oder Becken stellt so häufig eine Herausforderung dar. Schwimmbäder – ob Halle oder Freibad – sind wie gesagt oft weitläufig, laut und unübersichtlich gestaltet. Akustische Orientierungspunkte gehen im Geräuschpegel von Gesprächen, spielenden Kindern oder technischen Anlagen unter, während taktile Leitsysteme oder kontrastreiche Markierungen häufig fehlen oder nicht durchgängig vorhanden sind.
Achtung, Wasser!
Besondere Schwierigkeiten entstehen an den Beckenrändern. Die Übergänge zwischen Bodenbelägen, Treppen oder Einstiegsbereichen sind nicht immer ausreichend kontrastreich oder tastbar gestaltet. Dadurch steigt das Risiko zu stolpern oder den Beckenrand nicht rechtzeitig wahrzunehmen. Auch Startblöcke, Absperrungen, Liegen oder abgestellte Taschen können zu unerwarteten Hindernissen werden. Für Menschen mit einem Sehrest erschweren Blendungen durch Sonnenlicht oder Spiegelungen auf der Wasseroberfläche zusätzlich die Orientierung und das Erkennen von Stufen oder Beckenkanten.
Info: ja, barrierefrei: nein.
Auch die Informationsvermittlung ist häufig nicht barrierefrei. Hinweisschilder zu Umkleiden, Duschen, Sanitäranlagen oder Notausgängen sind meist ausschließlich visuell gestaltet. Informationen über Beckenregeln, Wassertiefen oder geänderte Öffnungszeiten stehen oft nicht in zugänglichen Formaten wie Brailleschrift, tastbaren Übersichtsplänen oder digitalen, screenreader-kompatiblen Angeboten zur Verfügung.
Für blinde Menschen, die mit einem Blindenführhund unterwegs sind, ergeben sich weitere Herausforderungen. Während Führhunde in vielen Ländern als Assistenzhunde grundsätzlich Zutritt zu öffentlichen Gebäuden haben, dürfen sie aus hygienischen Gründen in der Regel nicht in die Schwimmhalle oder an den Beckenrand. Daher muss außerhalb des Badebereichs eine geeignete und sichere Betreuungsmöglichkeit für den Hund vorhanden sein. Fehlt eine solche Möglichkeit, kann dies den Schwimmbadbesuch erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.
Schwimmt da wer?
Darüber hinaus können Unsicherheiten beim Betreten des Beckens, beim Auffinden freier Schwimmbahnen oder bei der Orientierung im Wasser die selbstständige Nutzung einschränken. Viele blinde und sehbehinderte Menschen sind deshalb auf die Unterstützung von Begleitpersonen oder auf geschultes Personal angewiesen.
Badespaß für alle
Barrierefreie Schwimmbäder können diesen Herausforderungen durch taktile Leitsysteme, kontrastreiche Gestaltung, gut verständliche akustische Informationen, barrierefreie Beschilderung sowie entsprechend geschultes Personal begegnen. Solche Maßnahmen fördern nicht nur die Sicherheit, sondern ermöglichen blinden und sehbehinderten Menschen eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am Freizeit- und Sportangebot.

