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BSKDL-Tagung in Frankfurt am Main: Braille weiterdenken

  • Braille © BSVÖ

Seit Anfang des Jahres ist Kritijan Ciganović als österreichischer Vertreter im Brailleschriftkomitee der deutschsprachigen Länder (BSKDL) aktiv. Er folgte Prof. Erich Schmid, der sich zuvor jahrzehntelang um die Weiterentwicklung der Brailleschrift verdient gemacht hat. Nun fand das erste Treffen der Mitglieder in neuer Besetzung statt – welche Neuerungen es gibt und welche Themen im Mittelpunkt des Treffens standen, erfahren Sie hier!

Brailleschrift zwischen Tradition und Zukunft

Letztes Jahr feierte die Brailleschrift ihr 200-Jahre-Jubiläum. Aber anders, als das Alter nahelegt, hat die Punktschrift auch in der heutigen Zeit wachsender Digitalisierung weder ihre Effektivität noch ihre Relevanz verloren. Im April des Jahres wurde die hre Verwendung und Weitergabe auf eine Initiative des BSVÖ hin zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe in Österreich erklärt. Braille wird somit als förder- und schützenswert anerkannt – beides sind Ziele des Brailleschriftkomitees, das als Regulierungsgremium die Brailleschriftwiedergabe auf Papier und elektronischen Anzeigegeräten beobachtet und die Verbreitung und Nutzbarkeit der Schrift fördert. Der BSVÖ stellt den österreichischen Vertreter des Komitees, das sonst noch die Länder Deutschland und Schweiz umfasst.

Tagung mit personellen Veränderungen

Am 29. und 30. Mai 2026 trafen sich die Mitglieder des Brailleschriftkomitees der deutschsprachigen Länder (BSKDL) zu ihrer jährlichen Tagung im Hotel Monopol in Frankfurt am Main. Die Sitzung stand nicht nur im Zeichen wichtiger fachlicher Entscheidungen zur Weiterentwicklung der Brailleschrift, sondern auch eines bedeutenden personellen Wechsels.

Nach 28 Jahren an der Spitze des BSKDL trat Richard Heuer gen. Hallmann als Vorsitzender zurück. Sein langjähriges Engagement hat die Arbeit des Komitees nachhaltig geprägt und wesentlich zur Weiterentwicklung und Harmonisierung der Brailleschrift im deutschsprachigen Raum beigetragen. Dem Komitee bleibt er jedoch weiterhin als Vertreter des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) erhalten. Zum neuen Vorsitzenden wurde Aleksander Pavkovič gewählt, seine Stellvertreterin ist Sabine Lohner.

Weiterentwicklung der Brailleschriftsystematik

Im Mittelpunkt der fachlichen Beratungen standen zahlreiche Projekte zur Weiterentwicklung und Vereinheitlichung der Brailleschrift. Für den Symbolband der Mathematiksystematik wurde beschlossen, künftig Schwellkopien im Format A4 zu verwenden. Dadurch soll die Herstellung in Medienzentren vereinfacht werden. Register und Inhaltsverzeichnis werden als separates Heft im A4-Hochformat erscheinen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die geplante deutsche Übersetzung der englischsprachigen Phonetiksystematik. Da sich seit der Erstausgabe von 2008 inhaltlich keine Änderungen ergeben haben, bleibt die Originalfassung unverändert. Die Übersetzung wird derzeit von Vivian Aldridge und Peter Brass fertiggestellt und soll nach Zustimmung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht werden.

Darüber hinaus wurde beschlossen, die Empfehlungen zur Gestaltung von Brailleschrifttexten künftig als Gesamtdokument auf der BSKDL-Webseite bereitzustellen. Das Dokument wird sowohl als Word- als auch als PDF-Datei zum Download angeboten und erleichtert somit Institutionen, Interessierten und Forschenden den Zugriff auf wichtige Richtlinien zur Darstellung und Gestaltung der Brailleschrift.

Ebenfalls intensiv diskutiert wurde das von Vivian Aldridge erarbeitete Kurzschriftwörterbuch, das als wichtiges Hilfsmittel für die Brailleschriftsystematik gilt. Im Zuge der Überprüfung wurden zudem kleinere Fehler in bestehenden Systematiken entdeckt. Die notwendigen Korrekturen werden nun an die Verlage weitergegeben.

Internationale Projekte und zukünftige Vorhaben

Weitere Themen waren die Planung künftiger öffentlicher Veranstaltungen, der aktuelle Stand des internationalen Projekts E-Braille sowie Möglichkeiten, Online-Kurse für Unified English Braille (UEB) und Musikschrift für den deutschsprachigen Raum zu adaptieren und verfügbar zu machen.

200 Jahre Braille – Grundlage für Bildung, Selbstständigkeit und Inklusion

Braille ist bis heute weit mehr als ein Schriftsystem. Die Punktschrift schafft die Voraussetzung für selbstständiges Lesen und Schreiben, fördert Rechtschreibkompetenz und Bildungserfolg und bildet damit eine wesentliche Grundlage für Chancengleichheit. Auch im digitalen Zeitalter bleibt die Brailleschrift unverzichtbar: Moderne Braillezeilen und elektronische Lesegeräte verbinden die traditionelle Punktschrift mit den Möglichkeiten digitaler Kommunikation und Information.

Die Arbeit des BSKDL trägt dazu bei, dass Braille auch künftig den Anforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht wird. Einheitliche Standards, aktuelle Systematiken und moderne Lehrmaterialien sichern die Qualität der Brailleschrift und stärken ihre Rolle als Schlüssel zu Inklusion und selbstbestimmter Teilhabe.

Ausblick auf die nächste Tagung

Nächste Präsenztagung findet am 03. und am 04. Juni 2027 wieder in Frankfurt/Main im Hotel Monopol statt. Die Finanzierung der Sitzung übernimmt der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich.

Porträt: Kristijan Ciganović im Durchblick

Für unser Verbandsmagazin „Der Durchblick“ trafen wir Kristijan Ciganović an seinem Arbeitsplatz im BBI. Das ganze Portrait finden Sie unter: https://www.blindenverband.at/de/information/durchblick/archiv/2938/Der-Durchblick

 

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