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Mythen der Barrierefreiheit. Also meine Webseite ist eh barrierefrei. Teil 25.

  • Mythen der Barrierefreiheit © BSVÖ

„Wie? Was? Natürlich ist unsere Webseite für alle Nutzer:innen völlig barrierefrei! Klaro! Unser Unternehmen baut ja auf Accessibility, das steht so auch in unserer Policy. Und wir haben sogar gutes Geld in die Hand genommen, dass die Seite barrierefrei ist, das können Sie uns glauben. Keine Kosten und Mühen gescheut …“

Kennen Sie solche vollmundigen Aussagen? Wahrscheinlich haben Sie so etwas in ähnlichem Wortlaut schon mal gehört oder gelesen. Accessibility ist eine bunte Federkrone, mit der sich viele Unternehmen und Webseitenbetreibende gerne schmücken – nur leider, ohne zu wissen, wie digitale Barrierefreiheit wirklich aussieht und worauf zu achten ist. Darauf angesprochen folgt oft das böse Erwachen …

Frei und grenzenlos verbaut.

Das World Wide Web ist der digitale Ort unbegrenzter Möglichkeiten. So zumindest in der Theorie. Denn auch, wenn wir inzwischen auf mehrere Jahre der Standards zur barrierefreien Nutzung zurückblicken können, bleibt das Internet vor allem eines: Ein Ort der Möglichkeiten und der Barrieren. Der Report des Projekts „WebAIM Million“, das jedes Jahr die unglaubliche Zahl von einer Million Startseiten besucht, hat für 2025 festgestellt, dass 94,8 % aller untersuchten Startseiten gegen die WCAG-Richtlinien verstießen. Erschreckend, meinen wir. Aber nicht überraschend. Digitale Barrierefreiheit bleibt scheinbar nach wie vor für viele ein optionales Feature, das nicht so ganz verstanden wird. Wir sind den drei häufigsten Mythen im Detail nachgegangen:

1.)  Meine Webseite ist eh barrierefrei, weil ich vor zehn Jahren dafür einen Experten engagiert habe.

WCAG-Richtlinien verändern sich zwar nicht grundlegend, aber das Internet ist ein Ort des schnellen Wandels. Was vor einigen Jahren oder auch nur Monaten noch als Standard gegolten hat, ist womöglich schon wieder überholt und funktioniert nicht mehr mit der neuesten Technik. Nur weil bei der Entstehung einer Webseite darauf geachtet wurde, dass alles so halbwegs reibungslos funktioniert, heißt das leider nicht, dass man sich auf den alten Lorbeeren ausruhen kann. Wer seine Seite nicht wartet und aufmerksam kontrolliert, ob bei Neuerungen auch alle Details im Auge behalten wurden, wird früher oder später auf einem Haufen neuer Barrieren sitzen, ohne es zu merken. Und ja, die Pflege ist womöglich aufwendig und zeitintensiv. Aber stellen Sie es sich vor wie einen neuen Haarschnitt. Nur weil sie vor 10 Jahren bei der Friseurin Ihres Vertrauens waren und den neuesten Schrei auf den Kopf gezaubert bekamen, wird sich die Frisur nicht bis in die Gegenwart aktuell und ohne Makel gehalten haben. Regelmäßig fassonieren, trimmen, aussäubern. Oder auf die Digitalisierung umgelegt: regelmäßig dranbleiben, Veränderungen beobachten, nachprüfen und ändern. Dann bleibt auch die Barrierefreiheit erhalten.

2.)  Meine Webseite ist eh barrierefrei, weil wir viel Geld für Accessibility-Overlays ausgegeben haben.

Nein! Nein! Und nochmals nein! Wir verstehen den Reiz von Accessibility-Overlays, glauben Sie uns. Und wenn es die Zauberformel geben würde, die aus einer Katastrophe einer Webseite eine strukturschöne und barrierefreie Traumseite macht, dann nur her damit. Aber leider gibt es sie (noch) nicht. Accessibility-Overlays sind Tools oder Skripte, die Websites nachträglich „barrierefrei machen“ sollen, dabei aber den eigentlichen Code der Seite kaum ändern. Anbieter versprechen schnelle Compliance mit Standards wie den World Wide Web Consortium-Richtlinien WCAG („Web Content Accessibility Guidelines“), haben es – Achtung (begründete?) Unterstellung – aber oft selbst nicht so sehr mit der Barrierefreiheit, sondern wollen ein an sich gut gemeintes Geschäftsmodell anbringen. Die Lösung, die dabei herauskommt, betreibt im besten Fall kleine Schadensbegrenzung, im schlimmsten Fall entstehen durch sie aber neue Barrieren. Unser Tipp: Finger weg von schnellen Halblösungen, die womöglich einen Batzen Geld kosten und dann unbefriedigende Ergebnisse liefern. Lassen Sie sich von Expert:innen beraten (wir empfehlen wärmstens die Screenreader-Tester:innen des BSVÖ!)

3.)  Mein Webshop ist eh barrierefrei, glaub ich.

Webshops sind ein beliebtes Hassobjekt blinder und sehbehinderter Nutzer:innen. Sie warten mit kreativen Fehlern auf, führen in die Irre und machen in Handumdrehen aus Shoppinglust großen Shoppingfrust. Das mag daran liegen, dass E-Commerce technisch komplex ist und Accessibility oft erst spät berücksichtigt wird. Die Ursachen sind meist organisatorisch, wirtschaftlich und technisch zugleich. Noch dazu werden Webshops oft über externe Anbieter in Webseiten eingebunden, wodurch sich Betreibende nicht so sehr in der Verantwortung fühlen, hier auf Barrierefreiheit Acht zu geben. Damit aber alle Nutzer:innen die Services, Dienste und Produkte in Anspruch nehmen können, muss Barrierefreiheit gegeben sein. Prüfen Sie also (mit Expter:innen), ob der Webshop alle Ansprüche erfüllt, bevor Kund:innen frustriert das Handtuch werfen.

Unsere Screenreader-Tester:innen sind zertifizierte Expert:innen, die Ihre Webseite auf Barrierefreiheit hin untersuchen und qualifiziertes Feedback geben. Schreiben Sie uns an barrierefreiheit@blindenverband.at und erfahren Sie mehr!

 

 

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