BSVÖ: Hier spielt die Musik! Inklusive Musikvermittlung im Musikverein mit „MUK.mittendrin“
Am Neujahrstag ist es der wohl prominenteste Musiksaal der Welt: der goldene Saal des Wiener Musikvereins. Nun stand der traditionsreiche Ort mit „MUK.mittendrin“, Jeunesse und dem BSVÖ ganz im Zeichen gelebter Inklusion.
Generalprobe mittendrin
Schon vom Publikumsraum aus ist es beeindruckend, ein Sinfonieorchester live beobachten zu dürfen. Wie es sich aber anfühlt und anhört, mitten zwischen den Musiker:innen Platz nehmen zu dürfen, erfuhren blinde und sehbehinderte Musikliebhaber:innen hautnah. Zur Generalprobe des MUK.sinfonieorchester, das aus studentischen Musiker:innen der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) besteht, wurde der sonst so exklusive Orchesterraum geöffnet und ein ganz besonderer Raum des Dialogs geschaffen. Die blinden und sehbehinderten Teilnehmer:innen erlebten das „Don Giovanni”/„Don Juan”-Motiv bei Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Maria von Weber, Hans Werner Henze und Richard Strauss unter der Leitung des Dirigenten Andreas Stoehr aus ganz neuen Perspektiven.
„Das Erlebnis war wirklich wunderschön. Unter Profis zu sitzen – das würde ich jede Woche machen, wenn es möglich wäre“, schwärmt eine der blinden und sehbehinderten Teilnehmer:innen nach der Generalprobe und nach einer Werkeinführung durch den Musiker, Tänzer und Kulturvermittler Simeon Ohlsen.
Erfolgreich in den zweiten Akt
Schon im Vorjahr schlug Muk.mittendrin als eindrucksvolles Event inklusiver Musikvermittlung Brücken. Die Folgeveranstaltung freut Dr. Markus Wolf, Präsident des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich (BSVÖ): „Die MUK hat mit dem Projekt einen Zugang zu inklusiver Kunstvermittlung gefunden, der einzigartig ist. Partizipativ und hautnah die Musik zu erfahren, öffnet ganz neue Perspektiven und gibt Einblicke, die so in einem regulären Konzert kaum zu erleben sind.“
„Ich bin neben dem Fagott und den Klarinetten gesessen und es war beeindruckend“, so eine andere Teilnehmerin, die selbst Musikerin ist. „Man spürt das Miteinander und dass es nur gemeinsam gelingt. Es gibt Instrumente, die nur teilweise mitspielen. Aber ohne die würden der Solist und das ganze Werk nicht so toll zur Geltung kommen.“
Inklusive Kunst hat Mehrwert
Auch wenn sich in den letzten Jahren immer mehr Projekte etabliert haben, in denen Kunst auch inklusiv gedacht wird, hat Barrierefreiheit am Kunstsektor nach wie vor Luft nach oben. „Österreich ist so reich an Kultur und an Kunst. Und gleichzeitig ist vieles davon für Menschen mit Behinderungen schwer zugänglich“, fasst es eine der Teilnehmer:innen zusammen. Beschreibungen im Mehrsinneprinzip, spezielle Kunstvermittlungsprogramme, die alle Sinne ansprechen, und inklusive Räume können feste Grenzen aufbrechen und alle Interessierten einladen, Kunst zu erfahren. Projekte wie Oper und Theater mit Audiodeskription, Rahmenprogramme, die etwa Tastführungen und Einführungsgespräche anbieten, sind dabei ebenso wichtig, wie barrierefreie Ticketbuchungssysteme und Orientierungssysteme vor Ort. „Es braucht meist nicht viel, damit Teilhabe gelingt“, fasst es Dr. Markus Wolf zusammen. „Sobald der Wille da ist, aufeinander zuzugehen, Bedürfnisse zu ermitteln und gemeinsam Lösungen zu finden, ist der Weg zur Inklusion geebnet.“ Davon profitieren am Ende alle.
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich dankt der MUK, Jeunesse, den großartigen Musiker:innen und allen Beteiligten, die Inklusion im Rahmen von MUK.mittendrin gefördert und ermöglicht haben.
