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BSVÖ im Fokus: Hilfsmittel! Klare Ansage! Sprechende Helfer.

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Auch wenn Sie sich nicht wünschen, dass Ihre Waage mit Ihnen spricht: für viele macht genau diese Ansage den Unterschied. Wer nicht von Bildschirmen und Anzeigen Informationen ablesen kann und blinkende Lichtsignale oder rein visuelle Hinweise nicht wahrnimmt ist auf sie angewiesen – Sprachausgaben und sprechende Hilfsmittel. Klare Sache, aber wissen Sie, wie alles angefangen hat? Im BSVÖ-Fokus erfahren Sie mehr!

 

Zur Klärung vorweg: Sprechende Hilfsmittel sind technische Geräte oder Software, die Informationen akustisch ausgeben und sie so barrierefrei für blinde und sehbehinderte Menschen gestalten. Sie gehören heute zu den wichtigsten Assistenztechnologien und haben sich besonders seit der Computer- und Smartphone-Ära stark weiterentwickelt.

Können Sie mir sagen, wie spät es ist…?

Die ersten Geräte entstanden bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie arbeiteten meist mit aufgenommenen Sprachansagen statt mit echter Sprachsynthese.

Die erste sprechende Uhr im engeren technischen Sinn entstand bereits im 19. Jahrhundert. Einer der frühesten bekannten Entwickler war der amerikanische Erfinder Frank Lambert, der um 1878 eine Uhr entwickelte, die mit einer frühen Form des Phonographen arbeitete. Auf einem Zylinder aus Blei war eine Sprachaufnahme gespeichert, in der Lambert selbst die Stunden ansagte. Das Gerät spielte diese Aufnahme ab, um die Uhrzeit akustisch mitzuteilen. Diese Konstruktion wurde für die Uhrenfirma Ansonia Clock Company entwickelt. Obwohl sie technisch funktionierte, war sie noch nicht zuverlässig genug für eine Serienproduktion. Die Aufnahme dieser Uhr gilt heute als eine der ältesten noch abspielbaren Tonaufnahmen der Welt.

Ein weiterer früher Schritt erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts durch den Uhrmacher Oasimir Sivan aus Genf. Er entwickelte eine sprechende Taschenuhr, die mit einer rotierenden Scheibe arbeitete, auf der Sprachaufnahmen gespeichert waren. Diese Konstruktion wurde 1892 patentiert und später 1898 auch in den USA als Patent für eine „Talking Watch or Clock“ registriert.

Solche frühen Systeme waren jedoch mechanisch kompliziert und störanfällig. Erst im 20. Jahrhundert wurden sprechende Uhren wirklich praktikabel.  Ende der 1960er entstanden so auch die ersten sprechenden Uhren, die direkt für Menschen mit Sehbehinderungen entwickelt wurden. So etwa eine sprechende Digitaluhr, die der kanadische Forscher James Swail am National Research Council of Canada erfand. Diese Geräte kombinierten visuelle Anzeige, taktile Elemente und akustische Sprachausgabe und gelten als frühe Vorläufer moderner sprechender Hilfsmittel.

 

Ähnliche Produkte folgten parallel dazu, etwa sprechende Taschenrechner, Thermometer oder Waagen. Solche Geräte nutzten meist vorab aufgenommene Sprachansagen und waren technisch relativ einfach, erfüllten aber wichtige praktische Funktionen im Alltag blinder und sehbehinderter Menschen.

Von der Sprachansage zur Sprachsynthese  

Ein bedeutender technologischer Durchbruch kam in den 1970er-Jahren mit der Kombination aus Texterkennung und Sprachsynthese. Der amerikanische Erfinder Ray Kurzweil entwickelte gemeinsam mit Ingenieuren und der Unterstützung von Stevie Wonder ein Gerät, das gedruckte Texte automatisch vorlesen konnte. Dieses System, bekannt als Kurzweil Reading Machine, nutzte erstmals eine Kombination aus optischer Zeichenerkennung (OCR) und computergenerierter Sprache. Gedruckte Seiten wurden eingescannt, vom Computer erkannt und anschließend vorgelesen.

Vorleser:innen aus Nullen und Einsen

Mit der zunehmenden Verbreitung von Personalcomputern entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren Programme, die den Bildschirminhalt akustisch ausgeben. Diese Programme werden als Screenreader bezeichnet. Einer der bekanntesten ist JAWS, der 1989 veröffentlicht wurde und bis heute weltweit verwendet wird. Screenreader lesen Texte, Menüs und Bedienelemente vor und ermöglichen es blinden Menschen, Computer vollständig über die Tastatur zu bedienen. Neben JAWS gibt es weitere wichtige Programme wie NVDA, eine freie Open-Source-Software, sowie VoiceOver, das in die Betriebssysteme von Apple integriert ist.

Die Landesorganisationen des BSVÖ beraten zu Hilfsmitteln aller Art und helfen bei Anträgen und Förderoptionen! Machen Sie sich einen Termin in Ihrer Landesorganisation aus: www.bsv-austria.at

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