BSVÖ: Barrierefrei erklärt: Videos für alle gestalten. Ein Leitfaden.
„Schick mir doch ein Video!“ Wer diese Nachricht von jemandem mit Sehbehinderung bekommt, wundert sich vielleicht. Warum denn ein Video? Damit kann man ja nichts anfangen! Doch genau hier liegt das Missverständnis. Videos können wunderbar inklusiv sein und sich sehr wohl an blinde und sehbeeinträchtigte Menschen richten – vor allem, wenn sie entsprechend gestaltet sind. Aber wie genau funktioniert das? Dieser Artikel gibt einen Einblick in die optimale Gestaltung inklusiver Videos.
Kriterien zur optimalen Gestaltung inklusiver Videos
Damit Videos für alle Menschen zugänglich sind, gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:
- Audiodeskription: Eine gute Audiodeskription beschreibt visuelle Inhalte des Videos, die für das Verständnis wichtig sind – beispielsweise, was gerade in einer Szene passiert, welche Emotionen sichtbar sind oder wer spricht. Sie sollte präzise, aber nicht überladen sein.
- Grundgerüst, welches im Audio beantwortet werden soll: Die Audiodeskription sollte beschreiben, worum es in dem Video geht, wer im Video gezeigt wird, was passiert und wo der Film/die Szene spielt.
- Natürliche Tonkulisse: Viele Informationen in einem Video lassen sich auch über die Geräuschkulisse transportieren. Stimmen, Hintergrundgeräusche und Atmosphäre helfen, sich eine Vorstellung von der Szene zu machen. Wichtig ist dabei, dass Hintergrundgeräusche gezielt eingesetzt werden – sie sollten das Geschehen unterstützen, aber nicht vom Inhalt ablenken.
- Sprechende Inhalte: Je mehr Informationen durch Dialoge oder gesprochene Kommentare vermittelt werden, desto barrierefreier ist das Video. Wichtig ist dabei eine klare und deutliche Sprache.
- Struktur und Aufbau: Ein durchdachter Aufbau hilft dabei, sich im Video zurechtzufinden. Eine klare Dramaturgie und erkennbare Szenenwechsel sind förderlich.
- Texteinblendungen einsprechen: Wenn wichtige Informationen nur als eingeblendeter Text erscheinen, sollten sie unbedingt auch vorgelesen werden.
- Ausreichende Kontraste: Natürlich sollte das Video für eine optimale Betrachtbarkeit auch kontrastreich gestaltet werden. Auch eingeblendete Texte sollen gut lesbar sein.
Barrierefreiheit für gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen
Nicht nur blinde Menschen und sehbeeinträchtigte Menschen profitieren von barrierefreien Videos – auch taube und hörbeeinträchtigte Menschen haben besondere Bedürfnisse.
- Untertitel: Gut lesbare Untertitel sind essenziell. Sie sollten nicht nur Dialoge, sondern auch wichtige Geräusche oder Stimmungen beschreiben.
- Gebärdensprache: Eine weitere hilfreiche Ergänzung sind Erklärungen in Gebärdensprache, sodass auch Gehörlose den Inhalt ohne Einschränkung verstehen können.
Kann ich das auch?
Diese Frage stellen sich viele…kann ich als Laie und vielleicht nicht unbedingt technikversierter Mensch das auch? – und die Antwort lautet: Ja! Auch ohne professionelle Technik kann man ein Video zumindest teilweise barrierefrei gestalten.
- Audiodeskriptionen hinzufügen: Falls Sie das Geburtstagsvideo der Großtante oder ein Urlaubsvideo vom letzten Sommerurlaub barrierefrei machen möchten, können Sie es mit einer Tonspur versehen, wo die wichtigen Szenen/Inhalte beschrieben werden. Tools wie YouDescribe, Kapwing oder Veed.io helfen dabei, Audiodeskriptionen nachträglich hinzuzufügen.
- Hintergrundgeräusche nutzen: Wichtig ist, dass Stimmen und Atmosphäre gut zu hören sind, denn sie transportieren viel Information.
- Untertitel mit einfachen Tools: Programme wie YouTube Studio, Kapwing oder Veed.io erlauben es, schnell und unkompliziert Untertitel hinzuzufügen.
Und wenn man sich noch nicht an die Nutzung dieser Tools herantraut, aber trotzdem etwas tun möchte? Kein Problem! Auch ohne spezielle Software kann man ein Video barrierefreier gestalten. Bei blinden und sehbeeinträchtigten Personen hilft es zum Beispiel, bewusst Szenen zu filmen, in denen viel gesprochen wird, sodass der Inhalt auch ohne Bild gut nachvollziehbar ist. Zusätzlich kann der /die Filmerin zu Beginn der Szene aus dem Off kurz erklären, was gleich zu sehen sein wird und worum es geht. So ist bereits ein erster Schritt in Richtung Barrierefreiheit getan.
Fazit
Barrierefreie Videos sind ein wichtiger Schritt in Richtung Inklusion. Mit einigen Anpassungen können audiovisuelle Inhalte so gestaltet werden, dass sie wirklich allen zugänglich sind.
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