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BSVÖ: Weltfrauentag 2026 – ein Schritt vorwärts, zwei zurück?

  • weltfrauentag © BSVÖ

Frauen sind weiterhin die Verliererinnen des Systems: weniger Bildungschancen, niedrigerer Lohn, schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt, dafür ein drastisch erhöhtes Risiko, Ziel von Gewalt zu werden. Für Frauen mit Behinderungen trifft dies alles in erhöhtem Maße zu. Von Mehrfachdiskriminierung über schwerwiegende strukturelle Benachteiligung bis hin zu physischer und psychischer Gewalt an Frauen spannt sich das Feld. Am 8. März erinnert der Weltfrauentag global daran, dass wir noch weit von Geschlechtergerechtigkeit entfernt sind.

Ausgangslage: problematisch

Die Gründe für die besonders schlechte und mitunter bedrohliche Lage von Frauen mit Behinderungen sind vielfältig und oft zusätzlich verstärkt durch Armut, Migrationserfahrung oder ethnische Zugehörigkeit. Die UN Women betont den Umstand, dass Frauen mit Behinderungen weltweit einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt sind, Gewalt zu erfahren, ökonomisch ausgegrenzt zu werden oder keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu erhalten, in zahlreichen Publikationen. Für blinde und sehbehinderte Frauen kommen spezifische Barrieren hinzu: fehlende barrierefreie Informationen, erschwerter Zugang zu Schutzangeboten oder medizinischer Versorgung sowie stereotype Vorstellungen von Abhängigkeit und Schutzbedürftigkeit erschweren Teilhabe und nehmen Chancen.

Mehr Gewalt, mehr Abhängigkeit

Besonders alarmierend ist die hohe Rate an von Gewalt betroffenen Frauen mit Behinderungen. Internationale Erhebungen, etwa von UNICEF, belegen, dass Frauen mit Behinderungen etwa doppelt so häufig Gewalterfahrungen in engen Beziehungen machen wie Frauen ohne Behinderungen. Abhängigkeiten von Partnern oder Betreuungspersonen, soziale Isolation und mangelnde barrierefreie Unterstützungsstrukturen erhöhen das Risiko zusätzlich. Gewalt bleibt dabei oft unsichtbar – nicht zuletzt, weil Hilfesysteme nicht ausreichend zugänglich sind, Betroffene nicht ernst genommen werden oder die Angst und Scheu der Betroffenen, sich jemandem anzuvertrauen, aufgrund der bestehenden Abhängigkeit zu groß ist.

Arbeit und Ausbildung im Hintertreffen

Strukturelle Benachteiligung zeigt sich auch im Arbeitsleben. Frauen mit Behinderungen haben weltweit deutlich geringere Erwerbsquoten und sind häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig. Barrierefreie Arbeitsplätze, flexible Arbeitsmodelle oder diskriminierungsfreie Einstellungsverfahren sind vielerorts noch nicht selbstverständlich. Gleichzeitig verstärken stereotype Rollenbilder die Annahme, Frauen mit Behinderungen seien weniger leistungsfähig oder primär auf Fürsorge angewiesen – ein Narrativ, das ihre ökonomische Unabhängigkeit systematisch untergräbt. Wie der Mikrozensus der Statistik Austria zeigt, beginnt das Ungleichgewicht schon am Bildungssektor. Frauen mit Behinderungen haben im Vergleich zur Bezugsgruppe der Frauen ohne Behinderungen im

Daten bitte

Ein zusätzliches Problem ist die unzureichende Datenlage. Viele Länder erfassen Behinderung und Geschlecht nicht systematisch in einer Gruppe. Dadurch bleiben spezifische Lebensrealitäten unsichtbar. Ohne verlässliche, aktuelle und differenzierte Daten lassen sich weder wirksame Schutzmaßnahmen entwickeln noch Fortschritte messen. Politische Strategien bleiben allgemein, während die besonderen Bedarfe von Frauen mit Behinderungen – so auch von blinden und sehbehinderten Frauen – kaum berücksichtigt werden. Fehlende Daten bedeuten fehlende Sichtbarkeit, und fehlende Sichtbarkeit führt zu fehlender Priorität.

Schnitt niedrigere Bildungsabschlüsse und in weiterer Folge auch weniger Chancen auf spezialisierte Jobs oder akademische Weiterbildungen.

Was es braucht

Der Weltfrauentag erinnert nicht nur an historische Kämpfe um Gleichberechtigung, sondern auch an die Notwendigkeit eines intersektionalen Blicks. Geschlechtergerechtigkeit kann nur erreicht werden, wenn sie die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen berücksichtigt. Solange strukturelle Barrieren bestehen, Gewalt nicht wirksam bekämpft wird und belastbare Daten fehlen, bleibt Gleichstellung ein unerfülltes Versprechen. Die Forderung nach echter Teilhabe – auch und gerade für Frauen mit Behinderungen – ist deshalb keine Randfrage, sondern ein Maßstab für die Gerechtigkeit unserer Gesellschaften weltweit.

 

 

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