BSVÖ: Was passieren kann. Die Zukunft der Arbeit von Menschen mit Behinderungen

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BSVÖ: Was passieren kann. Die Zukunft der Arbeit von Menschen mit Behinderungen. Grafik eines Menschen, der eine Treppe nach unten steigt.
Menschen mit Behinderungen sind häufiger arbeitslos und in höherer Zahl armutsgefährdet als Menschen ohne Behinderungen. Das liegt an einem Arbeitsmarkt, der weit entfernt davon ist, chancengleich zu sein, an Zugangsbarrieren und an Lücken im Bildungs- und Ausbildungssystem. Ist diese Lage schon beklagenswert genug, kann durch Änderungen im Budget mit 2027 eine Verschärfung der Situation erwartet werden. Ein düsterer Ausblick.
Um die Lage zu überblicken, ist es wichtig, die Rolle des Ausgleichstaxfonds zu verstehen. Dieser finanziert zentrale Unterstützungsmaßnahmen für die berufliche Teilhabe, darunter unter anderem Arbeitsassistenz und Jobcoaching, Qualifizierungsmaßnahmen, technische Arbeitsplatzanpassungen, Unterstützung bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt und auch Lohnkostenzuschüsse für Betriebe.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten soll der Fonds Beschäftigungsverhältnisse stabilisieren und Neueinstellungen fördern.
Reduktion der Fördermittel für den Ausgleichstaxfonds = Reduktion der Inklusion
Für 2026 hat die Bundesregierung Sondermittel bereitgestellt, weil die Einnahmen des Fonds nicht ausreichen. Ab 2027 ist jedoch geplant, diese Zuschüsse schrittweise zu reduzieren, was – hier sind sich Behindertenorganisationen einig – zu Engpässen bei Unterstützungsangeboten führen könnte.
In weiterer Folge heißt das auch, dass, sollte die österreichische Bundesregierung die Zuschüsse zum Ausgleichstaxfonds reduzieren, dies eine Gruppe trifft, die am Arbeitsmarkt ohnehin deutlich benachteiligt ist. Die bestehenden strukturellen Probleme würden sich dadurch spürbar verschärfen.
Arbeitsmarkt exklusiv
Menschen mit Behinderungen sind, wie schon erwähnt, überdurchschnittlich häufig arbeitslos und auch deutlich öfter von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Auf einen Mikrozensus aus 2022 beruhend veröffentlichte Statistik Austria hierzu, dass die Erwerbstätigenquote der Personen zwischen 15 und 64 Jahren in österreichischen Privathaushalten 74,2 % betrug, bei Menschen mit Behinderungen in dieser Altersgruppe sie sich aber nur auf auf 55,6 % belief. Unterschiede gab es aber im weiteren noch zwischen Personen, die starke Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten erleben. Diese waren mit einer Erwerbstätigenquote von nur 27,9 % vertreten.
Hinzu kommen strukturelle Nachteile:
- häufiger niedrigere formale Bildungsabschlüsse
- erschwerter Übergang von Schule in Ausbildung oder Beruf
- Vorurteile von Arbeitgebern
- fehlende Barrierefreiheit in Betrieben
- gesundheitlich bedingte Unterbrechungen im Erwerbsverlauf
Diese Faktoren sind ein Teufelskreis, denn sie führen nicht nur dazu, dass Menschen mit Behinderungen schwerer Arbeit finden, sondern auch länger arbeitslos bleiben.
Was passieren kann, wenn gekürzt wird
1. Weniger Unterstützungsangebote
Werden staatliche Zuschüsse reduziert, drohen Einschränkungen oder Wartelisten bei Arbeitsassistenz, Qualifizierungen oder Arbeitsplatzanpassungen. Das verschlechtert die Chancen auf einen (Wieder-)Einstieg erheblich.
2. Steigende Langzeitarbeitslosigkeit
Menschen mit Behinderungen sind bereits jetzt häufiger länger arbeitslos. Fällt unterstützende Begleitung weg, steigt das Risiko, dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden.
3. Mehr Armutsgefährdung
Menschen mit Behinderungen haben im Durchschnitt niedrigere Einkommen und ein höheres Risiko für Armut oder soziale Ausgrenzung. Längere Arbeitslosigkeit würde diese finanzielle Unsicherheit weiter verschärfen.
4. Rückzug von Arbeitgebern
Betriebe, die auf Förderungen für Arbeitsplatzanpassungen oder Lohnkostenzuschüsse angewiesen sind, könnten weniger bereit sein, Menschen mit Behinderungen einzustellen oder weiter zu beschäftigen. Das würde bestehende Vorbehalte zusätzlich verstärken.
5. Verschärfung gesellschaftlicher Ungleichheit
Eine Reduktion der Mittel würde strukturelle Benachteiligungen vertiefen und der Verpflichtung zur gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsleben entgegenwirken. Das betrifft nicht nur Erwerbschancen, sondern auch soziale Integration, Selbstbestimmung und Lebensqualität.
Forderung auf Sicherheit
Damit weiterhin Maßnahmen zur Inklusion gesetzt werden können, ist ein Erhalt der Finanzierung unbedingt notwendig. Der BSVÖ fordert an der Seite des Österreichischen Behindertenrates also die langfristige und verlässliche Finanzierung des Ausgleichstaxfonds, die Langzeitsicherheit stellt und sich nicht in kurzfristigen Zuschüssen erschöpft. Nur so kann der Erhalt bewährter Unterstützungsstrukturen gewährleistet werden, um bestehende Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen nicht zu gefährden, neue Arbeitsfelder zu fördern und Zugänge zum Arbeitsmarkt nicht weiter zu erschweren.
Weiterführende Links
Statistik Menschen mit Behinderung: https://www.statistik.at/fileadmin/user_upload/Menschen-mit-Behinderungen-in-Oesterreich-Teil-I.pdf
Pressekonferenz des Behindertenrats: https://www.behindertenrat.at/aktuelles/news/ausgleichstaxfonds-langfristig-absichern/
