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BSVÖ im Fokus: Blinde Frauen – starke Stimmen: Fatima al-Aqel

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Sie trat für Bildungschancen für Menschen mit Sehbehinderungen im Jemen ein und machte ihre Stimme für Frauen stark. Lernen Sie im BSVÖ-Fokus diese Woche Fatima al-Aqel kennen, eine blinde Aktivistin, die 2012 von uns gegangen ist –  ihr Vermächtnis aber lebt weiter.

 

Frühe Prägung und eigene Herausforderungen

Fatima al-Aqel wurde 1957 im Jemen geboren und erblindete, während sie an der Universität in Kairo studierte . Trotz des Verlusts ihres Sehvermögens setzte sie ihr Studium fort und schloss es mit einem Bachelor of Arts sowie einem Diplom in Islamwissenschaften ab. Diese akademische Leistung wurde von Fatima al-Aqel als blinde Frau nicht nur als persönlicher Erfolg, sondern auch als Statement gegen die tief verankerten Vorurteile über Behinderung und Bildungschancen aufgefasst.  

 

Vom persönlichen Wandel zur gesellschaftlichen Verantwortung

Die Erfahrung, mit einer Sehbehinderung in einer Gesellschaft zu leben, in der Menschen mit Behinderungen – insbesondere Frauen – oft marginalisiert werden, führte al-Aqel dazu, sich konkret für Bildung und soziale Inklusion anderer blinder Frauen einzusetzen. 1995 gründete sie im Jemen die erste Schule für blinde Frauen – ein bahnbrechender Schritt in einem Kontext, in dem vielen blinden Mädchen und Frauen Zugang zu Bildung und beruflichen Perspektiven verwehrt blieb. Schon bald erweiterte sie dieses Engagement und gründete 1997 die Al-Aman Organization for Blind Women Care, eine Organisation, die gezielt darauf abzielte, die Teilhabe blinder Frauen am sozialen, bildungs- und berufspolitischen Leben zu stärken.

Al-Aqel sah Blindheit nicht als Hindernis, das den Wert eines Menschen mindert, sondern als Zustand, der durch gesellschaftliche Barrieren erst zu einer Ausgrenzung führt. Unter ihrer Leitung entwickelte Al-Aman Programme, die dazu beitrugen, Bildungsmöglichkeiten zu öffnen, Zugang zu Brailleschrift zu schaffen und die Integration blinder Frauen in Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz voranzutreiben. Dabei arbeitete sie eng mit staatlichen Stellen wie dem Bildungsministerium sowie mit internationalen Partnern zusammen, um nachhaltige Kooperationen zu etablieren.

Inklusion, Chancen und gesellschaftlicher Wandel

Fatima al-Aqels Arbeit war es nie nur um Fürsorge gegangen. Sie wollte erreichen, dass blinde Frauen nicht nur Betreuung erfahren, sondern echte Chancengleichheit erlangen – das Recht auf Ausbildung, Beschäftigung, soziale Teilhabe und aktive Mitgestaltung der Gesellschaft. Das Al-Aman-Projekt begann mit nur wenigen Teilnehmerinnen, doch unter ihrer Führung wuchs es zu einer Organisation heran, die Hunderte von blinden Frauen im ganzen Land unterstützte, ihre Rechte stärkte und ihnen Mut machte, ihre Träume zu verfolgen. Die Stiftung arbeitete eng mit Familien und Gemeinden, um traditionelle Vorurteile zu überwinden und das Bewusstsein für die Fähigkeiten blinder Frauen zu steigern, statt sie auf Fürsorge zu reduzieren.

Al-Aqel transformierte in ihrer Arbeit ihre eigene Lebensgeschichte in einen Wegweiser für andere. Sie stellte nicht nur Bildungs- und Beschäftigungschancen in den Mittelpunkt, sondern forderte auch die Gesellschaft heraus, blinde Frauen als gleichwertige und aktive Mitglieder zu sehen. Der Einsatz für Inklusion und Chancengleichheit wurde so Teil eines umfassenderen sozialpolitischen Wandels im Jemen, in dem Menschen mit Behinderungen zunehmend als Bürgerinnen und Bürger mit Rechten und Potenzialen anerkannt werden sollten.

 

Vermächtnis und anhaltende Wirkung

Fatima al-Aqel starb im Jahr 2012, doch ihre Vision wirkt weiter. Kurz nach ihrem Tod wurde sie mit dem Balqis Award geehrt, einer bedeutenden Auszeichnung für Frauen und Organisationen, die sich für die Rechte und die Förderung von Frauen einsetzen – ein Symbol ihrer anhaltenden Wirkung weit über den Bereich der Behindertenhilfe hinaus. Auch beim „Festival der Blinden“ in Sanaa wurde ihr Werk gewürdigt, weil es einen Weg zu einer „mitfühlenderen und gerechteren Welt für blinde Menschen“ geöffnet hat.

Al-Aqels Vermächtnis besteht darin, effektiv aufzuzeigen, wie Bildung  Selbstermächtigung fördern und gesellschaftlicher Wandel einleiten kann. Sie bleibt ein inspirierendes Beispiel dafür, wie persönlicher Mut und organisatorische Weitsicht Inklusion und Chancengleichheit aktiv gestalten können – nicht durch Almosen, sondern durch Rechte und Teilhabe.

Weiterführende Links

Afrah Nasser: Yemen Lost One of its Female Change-Makers; Fatima al-Aqel https://afrahnasser.blogspot.com/2012/01/unconfirmed-news-fatima-al-aqel-passed.html

Jemen: A review of the incredible life of Fatima al-Aqel: https://www.rosariumhealth.com/blog/a-review-of-the-incredible-life-of-fatima-al-aqel

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