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BSVÖ im Fokus: Blinde Frauen – starke Stimmen: Viola Hashe

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Wir nehmen den Weltfrauentag am 8. März zum Anlass, uns im BSVÖ Fokus blinden und sehbehinderten Frauen zu widmen, die als Aktivistinnen, Vordenkerinnen und Gründerinnen Großes geleistet haben – und das oft zahlreichen Widerständen und Barrieren zum Trotz. Diese Frauen haben sich nicht unterkriegen lassen und sind Vorbilder im Einsatz für Inklusion, Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit. Den Anfang macht eine Frau, die sich dem Kampf für Bildung und gegen Rassismus in Südafrika stellte: lernen Sie Viola Hashe kennen!

Die Anfänge – Blindheit und frühes Engagement

Viola Hashe wurde 1926 im Orange Free State in Südafrika geboren und war von Geburt an blind. Trotz dieses Umstanden erhielt sie Zugang zu Bildung und arbeitete schließlich als Lehrerin, was für Hashe als Schwarze Frau mit Behinderung nicht ohne Widerstände, Vorurteile und Barrieren voranging. Dennoch konnte Hashe im Bildungssektor Fuß fassen und blieb hier bis in die frühen 1950er-Jahre aktiv. Mit wachsendem Bewusstsein für die herrschenden Ungerechtigkeiten der Arbeiterklasse wendete sie sich jedoch zunehmend der Arbeits- und Menschenrechtsbewegung zu und begann, in Gewerkschaften aktiv zu werden.

Aufbruch in die Gewerkschaftsbewegung

Ihre politische Karriere nahm Fahrt auf, als sie Mitglied des African National Congress (ANC) wurde – einer der zentralen Organisationen im Kampf gegen das rassistische Apartheidregime. Hashe arbeitete zuerst als Assistentin in der Chemical Workers Union und in der Dairy Workers Union, bevor sie 1956 zur Generalsekretärin der South African Clothing Workers Union (SACWU) gewählt wurde. Mit dieser Wahl wurde sie die erste Frau und auch die erste Schwarze Person mit Sehbehinderung, die eine Gewerkschaft leitete, die zuvor überwiegend von Männern dominiert war.

In ihrer neuen Führungsrolle zeigte sich Hashe als eine eindrucksvolle Rednerin und Organisatorin. Sie kämpfte nicht nur für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie, sondern setzte sich besonders für die Rechte Schwarzer Arbeiterinnen ein, die politischen Klima aus Rassismus und Sexismus eine Mehrfachdiskriminierung erfuhren.

 

Politische Wirkung und Netzwerk im Widerstand

Neben ihrer Gewerkschaftsarbeit spielte Hashe auch in der South African Congress of Trade Unions (SACTU) eine bedeutende Rolle. Dort gehörte sie dem Management-Committee an und wurde 1960 zur Vizepräsidentin gewählt, was ihr noch mehr Gewicht im politischen Widerstand gab. Sie vertrat die Gewerkschaftsbewegung bei Lohnverhandlungen, öffentlichen Versammlungen und internationalen Delegationen, etwa bei der International Labour Organisation. Ihre Redebeiträge – etwa über das Recht Schwarzer Frauen, Pässe zu besitzen und sich frei zu bewegen – machten sie zu einer Stimme, die in Südafrika gehört wurde.

Ihr Einsatz ging weit über „typische“ Gewerkschaftsarbeit hinaus: Hashe nutzte ihre Position, um strukturelle Ungerechtigkeiten des Apartheidstaates offen anzusprechen. Als eine der wenigen Schwarzen Frauen in führender politischer Funktion war sie damit nicht nur eine Repräsentantin der Arbeiterschaft, sondern ein Vorbild für viele andere Aktivistinnen.

 

Konfrontation mit dem Staat und Unterdrückung

Weil sie eine so sichtbare und unbequeme Kritikerin des Apartheidregimes war, geriet Hashe immer mehr in das Visier der Behörden. 1956 wurde sie als erste Frau überhaupt mit einem Deportationsbefehl bedroht – eine Maßnahme des Urban Areas Act, um politische Opposition zu unterdrücken. Dank juristischer Intervention wurde dieser Befehl jedoch kurz vor Inkrafttreten zurückgezogen.

Doch die Repression verschärfte sich: 1963 wurde sie nach dem Suppression of Communism Act offiziell „banned“ – ein behördlicher Zwang, der ihr politische Aktivität und Teilnahme an Versammlungen untersagte und sie auf das Gebiet von Roodepoort beschränkte. Unter dieser Restriktion lebte sie bis zu ihrem Tod 1977.

 

Vermächtnis einer beeindruckenden Stimme

Obwohl ihr öffentliches Wirken durch den Bann stark eingeschränkt wurde, blieb Viola Hashe eine Ikone des Widerstands gegen Apartheid und ein Beispiel für die Kraft politischer Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Trotz aller Widerstände und Barrieren fand sie die Motivation und Kraft, sich politisch stark zu machen und für die Chancengerechtigkeit einzusetzen. Ihre Arbeit inspirierte viele andere Aktivistinnen, darunter Bertha Gxowa, Mabel Balfour und Mary Moodley, die ebenfalls bedeutende Rollen im südafrikanischen Widerstand spielten. Eine Jugendliga des ANC wurde nach ihr benannt, als Zeichen ihres bleibenden Einflusses.

Viola Hashe bleibt eine beeindruckende Gestalt der Geschichte – nicht nur als Gewerkschafterin und politische Aktivistin, sondern als blinde Frau, die in einer zutiefst ungerechten Gesellschaft eine Stimme für Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde erhob.

Weiterführende Links:

60 Iconic Women — The people behind the 1956 Women’s March to Pretoria (51-60): https://mg.co.za/article/2016-08-25-60-iconic-women-the-people-behind-the-1956-womens-march-to-pretoria-51-60

Viola Hashe: https://sahistory.org.za/people/viola-hashe

 

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