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BSVÖ: Hungrig? Wenn bei Essens-Lieferungen der Magen knurrt…

  • Essenliefer-Apps © BSVÖ

Das kalte Wetter lädt nicht gerade dazu ein, am Abend noch einmal vor die Tür zu treten. Um Essen zu gehen, ist man auch nicht gekommen, bleibt also die naheliegende Lösung: Essen bestellen! Ob bei der Fast-Food-Kette oder der kleinen Pizzeria um’s Eck – die meisten Restaurants bieten inzwischen Lieferdienste an. Aber nicht immer sind diese für blinde und sehbehinderte Menschen auch wirklich von Nutzen. Denn während der größte Teil der Bestellungen über Apps getätigt wird, sind nicht alle Apps auch wirklich barrierefrei zu bedienen. Statt kulinarischem Genuss bleibt oftmals nur Bestellfrust Wo die Probleme sind und was getan werden kann, damit es mit dem Bestellen auch wirklich klappt, haben wir zusammengefasst …

 

App gut, alles gut

Beim Bestellen von Essen über Apps stoßen blinde und sehbehinderte Screenreader-Nutzer:innen, wie wir vermehrt rückgemeldet bekommen, häufig auf erhebliche Schwierigkeiten. Viele Anwendungen sind nicht barrierefrei gestaltet und lassen sich mit Screenreadern wie VoiceOver oder TalkBack nur eingeschränkt bedienen. Bedienelemente werden teilweise gar nicht oder ohne sinnvolle Beschreibung vorgelesen, sodass Nutzer:innen nicht erkennen können, welche Funktion ein Button hat oder wie sie im Bestellprozess vorankommen. Besonders problematisch sind Schaltflächen oder Icons ohne Textbeschriftung, da der Screenreader in solchen Fällen lediglich „Button“ oder „Grafik“ ausgibt, ohne den Zweck zu erklären.

Pop-ups und andere Schikanen

Ein weiteres Hindernis ist eine unlogische oder schlecht strukturierte Navigation. Wenn Überschriften fehlen, Inhalte nicht sinnvoll gegliedert sind oder die Fokus-Reihenfolge durcheinandergerät, wird es schwierig, sich innerhalb der App zu orientieren. Komplexe Bestellabläufe mit vielen Zwischenschritten, Pop-ups oder dynamischen Inhalten verschärfen das Problem zusätzlich, vor allem dann, wenn Änderungen auf dem Bildschirm vom Screenreader nicht angekündigt werden. Auch für sehbehinderte Menschen ohne vollständigen Sehverlust stellen geringe Farbkontraste, kleine Schriftgrößen oder Texte, die ausschließlich in Bildern dargestellt sind, eine große Hürde dar.

So klappt es!

Damit das Bestellen von Essen problemlos möglich ist, müssen Anbieter:innen Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken. Eine klar strukturierte App mit logisch aufgebauter Navigation ist entscheidend, damit Screenreader Inhalte sinnvoll erfassen und wiedergeben können. Alle interaktiven Elemente müssen eindeutig beschriftet sein, sodass Nutzer:innen jederzeit wissen, welche Aktion sie auslösen. Ebenso wichtig ist es, ausreichende Farbkontraste zu gewährleisten und flexible Schriftgrößen zu unterstützen, damit auch Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen die Inhalte gut erkennen können.

Darüber hinaus sollte die App vollständig mit Screenreadern und alternativen Eingabemethoden nutzbar sein. Statusmeldungen, etwa wenn ein Gericht in den Warenkorb gelegt wurde oder ein Fehler auftritt, müssen für Screenreader zugänglich sein und klar kommuniziert werden. Eine verständliche Sprache und eindeutige Formulierungen helfen zusätzlich dabei, den Bestellprozess übersichtlich und nachvollziehbar zu gestalten.

Testen lassen

Unverzichtbar ist schließlich das regelmäßige Testen der App auf Barrierefreiheit. Neben technischen Prüfungen sollten auch blinde und sehbehinderte Menschen in Nutzertests einbezogen werden, da sie Probleme erkennen, die automatisierte Tests oft übersehen. Wenn Anbieter ihre Apps konsequent barrierefrei entwickeln, gut strukturieren und prüfen lassen, profitieren davon nicht nur Screenreader-Nutzer:innen, sondern alle Menschen, die Essen bequem und selbstständig per App bestellen möchten.

Alternativen anbieten

Ja, es gibt sie auch noch! Diejenigen, die kein Smartphone verwenden und dennoch Essen bestellen möchten. Damit dies klappt, können Restaurants ihre Dienste weiterhin auch telefonisch anbieten – ganz ohne Webshop, Burgermenü und App!

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