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Barrierefrei getestet: Lieferapps im Check. Billa-App öffnen, Warenkorb füllen, fertig?

  • Barrierefrei getestet © BSVÖ

Liefer-Apps können den Einkauf erleichtern – und für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen sogar ein entscheidender Schritt zu mehr Selbstständigkeit sein. Gleichzeitig ist der Markt im Wandel: Billa baut sein Lieferservice zurück und setzt stärker auf Alternativen. Um besser zu verstehen, wo in der Praxis Barrieren auftreten, haben wir zwei der am meisten verwendeten Apps getestet und uns angesehen, wie gut diese funktionieren. Wie einfach ist das Einkaufen und Liefernlassen wirklich? Und lassen sich digitale Barrieren überwinden? Wir haben es für Sie zusammengefasst!

Anforderungen an barrierefreie Apps

Damit Apps für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen gut nutzbar sind, müssen sie klar strukturiert, logisch aufgebaut und konsistent bedienbar sein. Zentrale Voraussetzung ist, dass alle Bedienelemente – etwa Buttons, Menüs oder Eingabefelder – eindeutig beschriftet sind, sodass Screenreader sie korrekt vorlesen können. Ebenso wichtig sind eine sinnvolle Gliederung der Inhalte, gut lesbare Schriftgrößen und ausreichende Farbkontraste für Menschen mit Sehrest.

Praxistest: Die Billa App am iPhone

Die BILLA App mit ist eine Anwendung für iOS und Android mit umfangreichen Funktionen, die den Einkauf bei BILLA erleichtern soll. Wir haben die Billa App am iPhone mit Screenreader getestet, um herauszufinden, wie einfach die Bestellung zu bewerkstelligen ist. Der Bestellprozess beginnt mit der Produktsuche, die grundsätzlich gut funktioniert. Produkte lassen sich finden und über die Detailansicht genauer ansehen.

Das Auswählen der gewünschten Menge erfolgt, indem man den Finger mittig auf dem Bildschirm hält und nach oben oder unten wischt. Dabei kann es allerdings passieren, dass versehentlich ein anderes Produkt angewählt wird – hier ist etwas Übung nötig.

Der Warenkorb ist erreichbar, indem man weiterwischt, bis der Screenreader „Warenkorb“ vorliest. Auch der Gang zur Kassa gestaltet sich unkompliziert. Dort kann das gewünschte Lieferzeitfenster ausgewählt werden.

Ein kleiner Wermutstropfen: Nach App-Updates kann sich die Position einzelner Elemente verändern. Nutzer:innen müssen sich dann kurzfristig neu orientieren. Insgesamt bleibt die App jedoch gut bedienbar und barrierefrei nutzbar.

Unser Fazit

Die Tests zeigen: Barrierefreiheit ist möglich – sowohl Billa als auch Lieferando lassen sich barrierefrei bedienen. Der geplante Rückzug eines großen Supermarkts aus dem Zustellservice zeigt ein strukturelles Problem: Hier besteht nun die Gefahr, dass es Online-Supermarkt Bestellmöglichkeiten nur mehr in den großen Städten geben wird, während Menschen im restlichen Österreich von barrierefreien Bestellmöglichkeiten abgeschnitten werden. Wie sich dieser Markt zukünftig entwickeln wird, ist offen. Wir bleiben dran und berichten.

Umso wichtiger ist es, Barrierefreiheit nicht als Zusatz, sondern als Grundanforderung zu verstehen. Entwicklerinnen und Entwickler müssen sie von Beginn an mitdenken, regelmäßig testen und bei Updates sicherstellen, dass keine bestehenden Funktionen verloren gehen. Denn nur wenn digitale Einkaufslösungen verlässlich barrierefrei bleiben, können Menschen selbstbestimmt einkaufen – unabhängig davon, wie sich der Markt in den kommenden Jahren sortiert.

In Teil 2 unserer Lieferapp-Tests sehen wir uns genauer an, wie gut die App des Zustelldienstes Lieferando am Sektor Barrierefreiheit abschneidet!

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