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Barrierefreie Haushaltsgeräte

Barrierefreie Haushaltsgeräte - home designed for all

Im Alltag aller Menschen spielen Haushaltsgeräte eine wesentliche Rolle. Durch die in den letzten Jahren sehr rasch fortschreitende technologische Entwicklung hat sich die Handhabung und Nutzung moderner Haushaltsgeräte massiv verändert. Die Zugänglichkeit zu vielen aktuell auf dem Markt befindlichen Produkten ist für eine große Anzahl von Menschen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Diese Personengruppen sehen sich neuen Herausforderungen und oftmals unüberwindbaren Hürden gegenüber.

Die home designed for all - Arbeitsgruppe

Gemeinsam mit dem Schweizer Zentralverein für das Blindenwesen und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband wollen wir im Rahmen unserer Home Designed for All - Arbeitsgruppe (vormals DACH Haushaltsgeräte) diesem Anliegen mehr Gewicht verleihen: in der Öffentlichkeit, in den Medien, in der Politik und in der Wirtschaft.

Webseite

Gesammelte Informationen: https://www.dbsv.org/home-designed-for-all.html

Unsere Ziele - was wir fordern

An folgenden Forderungen orientiert sich der internationale Zusammenschluss deutschsprachiger Blinden- und Sehbehindertenverbände „Home Designed for All“:

  • Beseitigung von Diskriminierung durch Anwendung von "Universal Design" resp. „Design for All“,
  • Teilhabe am technischen Fortschritt,
  • Wahlfreiheit beim Kauf und verständliche Bedienungsanleitungen und
  • Einbeziehung der Barrierefreiheit als Zielsetzung in den Entwicklungs- und Designprozess und als Kriterium in Warentests.

Sie finden auf dieser Seite eine Sammlung an Beiträgen zum Thema. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Mag. Stefanie Steinbauer unter international@blindenverband.at oder unter 0664 140 1177.

Unser Video

In einfachen Grafiken erzählt das Video, wie die Anforderungen an Haushaltsgeräte sind, damit sie auch von blinden und sehbehinderten Menschen niederschwellig bedient werden können. 
Hier geht's zum Video: https://youtu.be/MPyu9AuHpZA

Online Checkliste für die Barrierefreiheit von Haushaltsgeräten

Was sind einfache und aussagekräftige Indikatoren für barrierefrei verwendbare Haushaltsgeräte? Die FH Technikum Wien hat in Zusammenarbeit mit Studierenden und internationalen Expert_innen eine Webseite erstellt, die zur Bewertung der Barrierefreiheit von Haushaltsgeräten dienen soll. Eine Checkliste, die ständig erweitert wird, soll eine Hilfestellung bei der Auswahl von Produkten bieten.

Checkliste Barrierefreiheit

Die Website befindet sich derzeit in einer Testphase zur Integration von Verbesserungsvorschlägen. Neben einer allgemeinen Kennzahl für die Barrierefreiheit des Gerätes kann die Bewertung auch spezifisch für verschiedene Zielgruppen angezeigt werden, um Aufschluss zu erhalten, ob ein Gerät etwa für blinde Menschen oder für Menschen mit motorischen Einschränkungen gut verwendbar ist. Mit der Checkliste soll eine eine Hilfestellung für die Auswahl von Produkten geboten werden, da Geräte, die für alle Menschen möglichst einfach verwendbar sind, im Zeitalter von Touchscreens und komplexer Menüführung selten geworden sind.

Neben der Erfassung und Beschreibung neuer Geräte bietet die Homepage auch ein Diskussionsforum, das Feedback zur Gesltatung der Checkliste ermöglicht.

Link zur Checkliste: https://haushalt.wbt.wien/#/info

Das Hauptportal, das zur Webseite führt können Sie unter folgendem Link abrufen: https://wbt.wien

Kontakt

Für Fragen und Anregungen zur Checkliste für Barrierefreie Technologien wenden Sie sich bitte an:
Christoph Veigl (Projektleitung Projekt Wissensdrehscheibe für Barrierefreie Technologien), FH Technikum Wien, E-Mail: christoph.veigl(at)technikum-wien.at

 

 

Haushalt und Hürdenläufe - die Grundprobleme mit Barrieren im Haushalt

Das Grundproblem

Im Alltag aller Menschen spielen Haushaltsgeräte eine wesentliche Rolle. Durch die in den letzten Jahren sehr rasch fortschreitende technologische Entwicklung hat sich die Handhabung und Nutzung moderner Haushaltsgeräte massiv verändert. Die Zugänglichkeit zu vielen aktuell auf dem Markt befindlichen Produkten ist für eine große Anzahl von Menschen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Diese Personengruppen sehen sich neuen Herausforderungen und oftmals unüberwindbaren Hürden gegenüber.

War früher alles besser?

Die kurze Antwort: nein, früher war natürlich nicht alles besser. Aber manches hat sich unter der Prämisse steten Fortschrittes dann doch in eine ungünstige Richtung entwickelt.

Der Trend der letzten Jahre entwickelte sich ungebremst in eine Richtung: weg von hervorstehenden Knöpfen und Schaltern hin zu einem schlanken, glatten Design, das Geräte mittels Touchscreens bedienen lässt. Moderne Haushaltsgeräte werden zu intelligenten Mitbewohnern, die wissen, wie viel Waschmittel gut für den Lieblingspullover ist und ob noch Milch im Kühlschrank steht. Taktile Bedienelemente hingegen werden als formüberholt und gestrig immer seltener beim Design neuer Geräte eingesetzt.

Für viele Menschen entstehen dadurch Probleme, die sich in viele Bereiche des Alltags ziehen. Wie das Ceranfeld bedienen, wenn es nur glatte Oberflächen zur Einstellung gibt? Wie das richtige Waschprogramm einstellen oder erkennen, dass die Kaffeemaschine nach Wartungsarbeiten verlangt?

Und was passiert, wenn etwas passiert ist?

Angenommen, die barrierefreie Waschmaschine ist kaputt gegangen. Oder die gewohnte und bedienbare Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben und produziert nur noch warmes Wasser. Oder der Herd will nicht mehr? Dann wird es für blinde und sehbehinderte Menschen schnell teuer und frustgeladen.

Denn mit den praktischen Problemen der Benutzung endet es noch nicht.

Viele Hersteller produzieren die alten, besser bedienbaren Geräte nicht mehr und bieten keine Ersatzteile mehr für Reparaturzwecke. Die Anschaffung neuer Haushaltsgeräte wird dann nicht selten zur langwierigen und frustrierenden Suche nach dem passenden Objekt. Neue Geräte sind in großer Markenvielfalt vorhanden und lassen sich in allen Preissegmenten finden. Aber sind sie auch für blinde und sehbehinderte Menschen bedienbar?

Neu gekauft und gut ist es?

Die Antwort muss in fast allen Fällen „nein“ lauten. Lassen sich bei einigen Modellen noch einzelne Funktionen bedienen, endet es oft damit auch schon wieder. So kann der Geschirrspüler vielleicht noch gestartet werden, ein bestimmtes Programm auszuwählen ist aber nicht möglich. Herstellerlösungen sind selten und Spezialgeräte oder technische Anpassungen bedeuten in den meisten Fällen – wenn es sie im gewünschten Sektor überhaupt gibt – einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand. Umrüstungen müssen von blinden und sehbehinderten Konsument:innen zusätzlich zum Kauf geleistet werden und stellen reine Notlösungen dar. Eine Auswahl zwischen mehreren Modellen ist praktisch nie gegeben, blinde und sehbehinderte Personen müssen nehmen, was übrig bleibt. 

Design vor Funktion

Dass sich Gebrauchsgegenstände im Laufe der Zeit verändern und verschiedenen Trends unterliegen, ist ganz normal. Die technische Entwicklung der letzten Jahre hat Dinge gebracht, die für blinde und sehbehinderte Menschen einen Fortschritt bedeuten. Von den Möglichkeiten, die etwa Smartphones bieten bis hin zum Einsatz von Sprachausgabe und Sprachsteuerung – die Bandbreite, neue Technik und Digitalisierung zum Vorteil in den Alltag zu integrieren, ist groß. Werden Neuerungen allerdings ohne Rücksicht auf alle Nutzenden umgesetzt, ist die Gefahr des Ausschlusses und der Diskriminierung enorm. Das Problem ist also nicht der Touchscreen, sondern vielmehr, dass gewisse Anforderungen von Herstellern als „besondere Bedürfnisse“ betrachtet und vernachlässigt werden.

Bitte an die Nutzer:innen denken

Es bedeutet mehr als nur Komfortverlust, wenn die Bedienung eines Geräts nicht barrierefrei ist. Die Folgen eines nicht oder kaum bedienbaren Gerätes sind auch der Verlust der Eigenständigkeit, denn selbstbestimmtes Handeln wird eingeschränkt, sobald man auf Unterstützung angewiesen ist. Ganz zu schweigen davon, dass es unmöglich ist, Geräte nach Funktion und Design auszuwählen. Das Bedürfnis, Haushaltsgeräte – wenn auch nur eingeschränkt – bedienen zu können, steht vor dem Wunsch nach einem eleganten Bad oder einer stimmigen Küchenzeile. Dass auch blinde oder sehbehinderte Personen selbstverständlich Ansprüche an die Wohnungsausstattung stellen, wird schon gar nicht in Betracht gezogen.

Die home designed for all - Arbeitsgruppe

Gemeinsam mit dem Schweizer Zentralverein für das Blindenwesen und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband wollen wir im Rahmen unserer Home Designed for All - Arbeitsgruppe (vormals DACH Haushaltsgeräte) diesem Anliegen mehr Gewicht verleihen: in der Öffentlichkeit, in den Medien, in der Politik und in der Wirtschaft.

Erfahrungsberichte im Schleudergang - so ist es der Haushalt mit Barrieren

Im Fokusthema barrierefreie Haushaltsgeräte sehen wir uns genauer an, was passiert, wenn man einen Kaffee machen möchte, die Maschine aber nur heißes Wasser spukt, Herdplatten auf einmal heiß werden oder die Waschmaschine Wollpullis bei 90 Grad schrumpft. Denn das alles kann geschehen, wenn sich „Haushaltshelfer“ von blinden und sehbehinderten Menschen nicht barrierefrei bedienen lassen.

Kostspieliges Kochen

Geraldine S. lebt zusammen mit ihrem Mann in einer kleinen Wohnung, sie ist im Alter schwer sehbehindert geworden und kann im gemeinsamen Haushalt nicht mehr alles so managen, wie es ihr recht wäre. Als aber der alte Herd kaputt wird und das Ehepaar einen neuen besorgen muss, gehen die Probleme so richtig los. „Ich war den alten gewohnt“, sagt Geraldine. „Ich wusste, welcher Drehregler welches Kochfeld steuerte und ich konnte spüren, auf welcher Stufe der Regler einrastete. Das Modell gab es aber nicht mehr, deswegen mussten wir ein neues kaufen. Ein Spießrutenlauf!“ Das Problem: Trotz gut ausgebildeter Beratungskräfte in verschiedenen Elektro-Fachhandelbetrieben fand sich kein geeignetes Gerät. Das lag am Angebot und an der Brieftasche der beiden Senior:innen. „Wir können uns keinen Herd leisten, der mehr kostet, als die gesamte Küche!“, sagt Geraldine S, die vor der Wahl stand, ein besonders kostspieliges Produkt zu kaufen oder auf ein älteres zurückzugreifen, bei dem mit etwas Nachrüsten die Bedienung möglich wäre. „Ich habe mich sehr geärgert, dass für uns keine befriedigende Wahl vorhanden war.“ So kauften die beiden das günstigere Gerät, das noch dazu nicht in die alte Küchenplatte passte. „Es waren Tischlerarbeiten notwendig. Und dann kam das Nachrüsten dazu, damit ich das Gerät auch bedienen kann.“ Nun, einige Monate nach der Neubeschaffung, kann Geraldine wieder selbstbestimmt kochen, aber der Preis dafür war hoch. „Ich hoffe, dass der neue Herd länger hält! Sollte er bald defekt werden – warum auch immer – so weiß ich nicht, was wir machen können.“

Der Kaffee ist fertig…oder doch nicht?

Für Sabine beginnt der Morgen nur mit einem Kaffee so richtig gut. Sie liebt das Aroma und sie liebt es, sich auf den Balkon zu stellen und mit dem Kaffee in der Hand so richtig durchzuatmen. „Ich nehme meine Umgebung dann mit allen meinen Sinnen wahr. Spüre die kühle Luft an der Haut und rieche die Wiese vor dem Haus. Sabine ist beruflich oft unterwegs und reist auch in ihrer Freizeit gerne. Auch da gehört der Kaffee zum Start in den Tag. Aber gerade in fremder Umgebung wird der Morgengenuss schnell zu einem frustrierenden Erlebnis. „In Hotels gibt es oft sehr große und teure Kaffeeautomaten. Die meisten davon kann ich nicht Anhieb bedienen. Sie haben keine taktilen Elemente, die Auswahl ist groß und oft ist mir nicht einmal klar, wie groß das Glas oder die Tasse sein muss, die ich unterstellen muss.“ Das Personal sei zwar meist hilfreich, aber es kommt auch vor, dass niemand zur Stelle ist, um ihr das Gerät zu erklären. „Die meisten lassen den Kaffee für mich herunter und bringen ihn mir zum Platz. Das ist sehr freundlich, aber das nächste Mal stehe ich wieder vor demselben Problem.“ Auch bei Kaffeemaschinen bei Tagungen steht Sabine vor dem Problem, nicht intuitiv zugreifen zu können. „Auf Reisen kann ich damit umgehen“, meint Sabine. „Aber einmal, als meine Maschine daheim defekt war und ich eine andere besorgen musste, wurde es richtig schwierig. Schlussendlich kaufte ich ein Modell, bei dem ich sehr viele Einstellungen auswendig lernen musste, weil sie nicht im Mehrsinnesystem angezeigt werden. Und selbst dann klappt es nicht immer. Hin und wieder läuft das Entkalkungsprogramm, oder die Maschine füllt einen Verlängerten in meine Espressotasse.“

Schonprogramm schwergemacht

Wer seinen geliebten Wollpulli bei 90 Grad Kochwäsche wäscht, hat ein Problem. Dies ist Hannes passiert, als er in seiner WG eine neue Waschmaschine bekommen hat. Die war zwar auch aus zweiter Hand und schon ein älteres Modell, barrierefrei bedienbar war sie allerdings nicht. „Wir müssen auf’s Geld schauen“, meint Hannes, der mit zwei anderen Studenten in einer gemeinsamen WG wohnt. Er ist schwer sehbehindert, die anderen beiden helfen ihm bei Kleinigkeiten. Aber lieber ist es ihm, wenn er keine Hilfe braucht. So auch beim Waschen seiner Sachen. „Ich habe bei der alten Maschine gewusst, auf welche Knöpfe ich drücken muss, damit es klappt. Die „neue“ alte Waschmaschine ist von derselben Herstellerfirma, funktioniert aber dann doch anders.“ Seine Mitbewohner hatten ihm die Programme erklärt, Hannes hatte versucht, sich alles zu merken und zwei Punkte mit einem taktilen Hinweis markiert, den er mit Klebeband angebracht hatte. „Mein Pickerl dürfte aber runtergegangen sein. Vielleicht im Schleudergang. Aber ich habe es nicht mehr gefunden und nach meiner Erinnerung des Programms eingestellt. Das war ein Fehler.“ Heute noch ärgert sich Hannes über das Barrieren-Missgeschick, das ihm seinen Lieblingspulli gekostet hat. Inzwischen hat er die Maschine neu markiert – mit Hilfe seiner Mitbewohner. Das Waschen klappt jetzt wieder leichter. „Und auch sonst komme ich gut durch den Tag. Wir haben nur eine Espressomaschine und einen alten Gasherd, abwaschen tun wir mit der Hand und gebügelt wird auch nicht.“ Trotzdem wünscht sich Hannes, dass es einfacher ist, an barrierefreie Haushaltshilfen zu kommen. „Es kann doch nicht so schwer sein, ein Gerät herzustellen, das noch mit Knöpfen und Schaltern zu bedienen ist. Oder eines, das eine Sprachausgabe hat oder zumindest mit Tonsignalen funktioniert.“ In die Zukunft sieht er zweifelnd. „Alles wird mehr und mehr auf Touchscreens ausgelegt und auf elektronische Schaltflächen. Ich hoffe, dass wir noch lange unseren Gasherd verwenden können…sonst muss ich auf Mikrowellen-Kochen umsteigen!“

Smart Home als Lösung?

Im Fokusthema barrierefreie Haushaltsgeräte dreht sich alles um einen selbstbestimmten Alltag in den eigenen vier Wänden. Wer den eigenen Herd, die Waschmaschine oder auch den Geschirrspüler nicht eigenständig bedienen kann, weil die Geräte nicht barrierefrei designt sind, steht an. Digitalisierung und smarte Technologien sollen da helfen. Aber kann die Lösung des Smart Home halten, was sie verspricht? Oder kaufen sich blinde und sehbehinderte Menschen damit nur noch mehr Ärger?

Alt gegen Neu

Wenn es um smarte Technologien geht, scheinen zwei Grundhaltungen aneinander zu stoßen. Auf der einen Seite: Früher war alles besser!

Auf der anderen Seite: Der technische Fortschritt macht das Leben leichter, bequemer und sicherer.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen und variiert von Situation zu Situation. Gerade für blinde und sehbehinderte Menschen können neue, digitale Technologien ein Segen werden. Sie können aber auch unerwartete neue Barrieren stellen.

Das clevere Zuhause

Unter Smart Home versteht man das Zuhause, das auf unterschiedlichen Ebenen durch eines oder mehrere Steuerungssysteme vernetzt ist. Unterhaltungselektronik, Haustechnik und auch Haushaltsgeräte lassen sich aus der Ferne steuern, Prozesse und Abläufe einprogrammieren und schon vorab bestimmen. Wer will, dass die Temperatur reguliert wird und die Jalousien über Mittag herabfahren, der Briefkasten meldet, wenn sich darin Post befindet, die Futterschüssel der Katze nach mehr verlangt, wenn alles leergefressen ist oder sich Lichter wie durch Zauberhand an- und ausschalten lassen, hat mit einem modernen intelligenten System alle Möglichkeiten offen. Das Smart Home wird oft im selben Atemzug genannt wie das Internet der Dinge (zu Englisch: Internet of Things, oder kurz: IoT). Hier werden Gegenstände virtuell verknüpft, sodass sie durch Informationstechniken zusammenarbeiten können. Sicherheitswarnsysteme, intelligente Fahrräder oder auch intelligente medizinische Sensoren sind Beispiele hierfür.

Wie smart ist smart?

Für Menschen mit Behinderungen scheinen viele Vorteile auf der Hand zu liegen: Eine leichtere und niederschwellige Bedienbarkeit, die noch dazu einer zentralen Steuerung unterliegt, kann die Selbstbestimmung erhöhen. Assistive Technologien werden zu alltäglichen Helfern, die neue Zugänge und eine Nutzung von Gegenständen ermöglichen, die bis dahin hinter Barrieren lagen. Künstliche Intelligenz, die sich via Sprachsteuerung mit anderen Geräten verbindet und Befehle ausführt, kann zu einer wesentlichen Erleichterung führen. Viele blinde und sehbehinderte Nutzer:innen haben smarte Technologien inzwischen ganz selbstverständlich in ihren Alltag integriert und sind hier auch sehr offen, was Innovationen angeht. Smarte Lösungen stehen hoch im Kurs und werden ständig weiterentwickelt, womit sich auch am Markt barrierefreier Optionen einiges tut, wenn es um die Bedienbarkeit und zentrale Steuerung von Prozessen im Eigenheim geht.

Der EBU Access Cast der European Union – ein Podcast, der bis 2021 produziert wurde, beschäftigte sich regelmäßig mit neuen Technologien im Dienste der Barrierefreiheit. Alle bis dahin ausgestrahlten Folgen können unter folgendem Link nachgehört werden (Englisch): https://www.euroblind.org/publications-and-resources/ebu-podcasts#_access

Haushalt automatisiert – und dann?

Dennoch bleibt das Smart Home nicht ohne Schattenseiten. Sicherheitslücken, Stromausfälle, verlorene oder beschädigte Geräte – es braucht nicht viel, dass das System gestört wird. Und das kann weitreichende Folgen haben. Wer sich zu sehr von Technologien abhängig macht, muss in Notfällen damit rechnen, dass gleich mehrere Bereiche nicht mehr benutzbar werden, warnen Expert:innen.

Für blinde und sehbehinderte Menschen stellt sich außerdem immer die Frage der Barrierefreiheit, denn smart heißt nicht immer auch accessible. So ist auch das beste System immer nur so gut, wie seine barrierefreie Bedienbarkeit und seine Sicherheit.

Smart oder gar nicht

Die smarte, digitale Lösung soll außerdem nie die einzige Option darstellen, wenn es um Barrierefreiheit geht. Nicht alle Nutzer:innen sind bereit oder im Stande, sich mit smarten Technologien zu beschäftigen, und nicht alle möchten oder können ihren Alltag an ein Smartphone binden. Senior:innen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder all jene, die nicht die Ressourcen haben, sich mit smarten Technologien zu umgeben und auseinander zu setzen, müssen auch weiterhin auf Dienste, Services und Geräte zugreifen können, ohne auf Barrieren der Bedienbarkeit zu stoßen.

Zugang, Information und Sicherheit

Vor allem in puncto Sicherheit wird inzwischen vieles in den Bereich des Digitalen ausgelagert. Wer Bankgeschäfte abschließen will, muss Bestätigungscodes über das Handy anfordern und in den bankeigenen Apps freigeben, auch offizielle werden inzwischen digital unterzeichnet, Postsendungs-Kästchen durch das Einscannen eines Codes entsperrt und auch physische Zugänge zu Räumen durch das Smartphone freigeschaltet. Dass die Barrierefreiheit hier das Um und Auf ist, liegt auf der Hand. Dennoch lässt sie mitunter zu Wünschen übrig. Sind die digitalen Lösungen dann aber die einzigen, bedeutet das für Menschen, die noch ganz analog unterwegs sind, eine ernstzunehmende Bescheidung der Selbstbestimmtheit und Exklusion von essentiellen Abläufen und Prozessen.

Lösungen

Smarte Optionen, Künstliche Intelligenz und schlaue Algorithmen sind aus der Gegenwart nicht mehr wegzudenken und werden uns zukünftig mehr und mehr beschäftigen. Sie werden in ihrer Weiterentwicklung neue Möglichkeiten bieten, ein inklusives Miteinander zu schaffen, zu vernetzen und Prozesse zu vereinfachen. Das kann aber nur gelingen, wenn ihre Entwicklung immer auch in Abstimmung mit Voraussetzungen läuft, die es allen potentiellen Nutzenden ermöglichen, Zugriff zu erlangen. Wer in der Entwicklungsphase auf Expert:innenwissen zurückgreift, kann sicherstellen, dass das Endprodukt für eine größere Nutzer:innengruppe zugänglich ist und Diskriminierung vermeiden.
Außerdem sollen smarte Lösungen nie alternativlos angeboten werden. Nur noch auf den digitalen Weg zu setzen, schließt eine nicht unerhebliche Gruppe an Nutzenden aus und macht ein inklusives Miteinander unmöglich. Smart auf allen Linien kann, wenn gut geplant und ausgeführt, zu einem neuen und innovativen Weg werden, Zugänge zu vereinfachen. Es darf aber nicht die einzige Möglichkeit sein, den Alltag zu meistern und Angebote im Mehrsinneprinzip ersetzen.

Mythen der Barrierefreiheit: Natürlich spricht meine Waschmaschine mit mir.

Daheim läuft alles glatt. Als blinder oder sehbehinderter Mensch ist man natürlich so eingerichtet, dass Alltagsroutinen bequem zu lösen sind. Und inzwischen gibt es ja auch echt genügend Möglichkeiten, mit modernen Technologien alles zu regeln. Richtig?
Falsch! Barrierefreiheit im eigenen Haushalt ist weder eine Selbstverständlichkeit noch etwas, das sich immer nach den eigenen Wünschen umsetzen lässt. Wir erzählen Ihnen, wie es ist, wenn der Haushalt zum Endgegner wird.

So ein bisschen Haushalt macht sich von allein…

…sagen alle, die nicht wissen, mit wie viel Aufwand es ist, eine Wohnung barrierefrei zu gestalten. Dazu gehört nicht nur eine passende Möblage, sondern auch die richtige Ausstattung. Richtig heißt in diesem Fall: barrierefrei bedienbar. Denn wenn das Einstellen des richtigen Geschirrspülprogramms zum großen Rätselraten und die Einstellung der Waschmaschine zum Nervenkitzel werden, ist es faul im eigenen (Haus-)Staat.

Mehr Knöpfe, mehr Sinne?

Als Faustregel gilt: Ein Gerät, das nur durch einen Sinn kontrolliert, eingestellt und somit bedient werden kann, ist nicht barrierefrei. Irgendeine Gruppe an potentiellen Nutzenden wird also ausgeschlossen. Nur ein Piepton ist zu wenig, um das Schleuderprogramm von der Kochwäsche zu unterscheiden. Nur ein Touchscreen reicht nicht, um als blinder Mensch überhaupt irgendwas sinnvoll auswählen zu können. Und eine Sprachausgabe, die nicht taktil angewählt werden kann, bringt ebenfalls wenig. Mehrsinneprinzip heißt, dass immer mehr als nur ein Sinn angesprochen wird. Taktiles und Auditives zum Beispiel oder vereinfacht gesagt: Drück und Pieps. Oder für andere Nutzer:innengruppen: Drück und Blicklicht. Nur wenn Geräte im Sinne des Universal Designs produziert werden, können sie auch von (so ziemlich allen) bedient werden.

Was ist jetzt mit sprechenden Waschmaschinen?

Ja, es gibt sie, die Haushaltsgeräte mit Sprachausgabe. Aber die Regel stellen sie nicht. Tatsächlich sind barrierefreie Haushaltsgeräte nämlich immer schwieriger zu finden. Gesetzt wird inzwischen auf schlankes, schickes Design, das in der Regel glatte Oberflächen hat. Touchscreens ersetzen dabei tastbare Regler und Schaltflächen und lassen blinde und schwer sehbehinderte Nutzer:innen ratlos und frustriert zurück. Wer ein passendes Gerät sucht, wird oft lange nicht fündig und muss sich schließlich oft mit Kompromissen begnügen. Barrierefrei ja, aber kostspielig, ungünstig dimensioniert oder einfach potässlich; All das nehmen Nutzer:innen mit Behinderungen in Kauf, nur um in den eigenen vier Wänden in Ruhe den eigenen Haushalt verrichten zu können.

Muss das so sein?

Natürlich nicht. Fakt ist aber, dass es so ist und dass der Trend immer mehr in Richtung smarter Geräte geht, die mit Touchscreens und visuellen Bedienfeldern ausgestattet sind. Der BSVÖ hat deswegen das Thema „Barrierefreie Haushaltsgeräte“ zum Fokusthema des diesjährigen Tag des Weißen Stocks am 15.10.2024 gewählt. Produktdesigner:innen und Vertreiber:innen dürfen bei der Planung und Produktion von (neuen) Geräten nicht darauf vergessen, dass ein nicht unerheblicher Teil an Nutzer:innen bei einer rein visuellen Bedienung vor einer Barriere steht. Und noch etwas: Mehrsinne ist für alle Nutzer:innen von Vorteil. Wer schon einmal auf die eine oder andere Weise auch nur vorübergehend motorisch oder in Bezug auf die Sinne eingeschränkt war, weiß das längst. Die Produzentenseite muss es erst lernen…