Geschichte
Geschichte des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich (BSVÖ)
Gründung und erste Jahre (1946–1950er)
- Der Verband wurde am 9. März 1946 als „Österreichischer Blindenverband“ (ÖBV) gegründet, um die Interessen der zahlreichen regionalen Blindenvereine zu bündeln. Erwin Horacek war der erste Präsident.
- Bereits 1947 fand die erste Delegiertenversammlung statt (13. Dezember), bei der Leopold Bick zum Präsidenten gewählt wurde und zahlreiche Fachgruppen ins Leben gerufen wurden, etwa für blinde Künstler, Arbeiter oder für den Behindertensport.
- In den 50er-Jahren entstanden neue Erwerbsmöglichkeiten in Handwerks- und Industrieberufen für blinde Menschen.
Politisches Engagement:
- 1954 fand der erste österreichische Blindenwohlfahrtstag statt – mit Forderungen nach Blindengeld, die jedoch noch nicht umgesetzt wurden.
- 1955 demonstrierten Blinde vor dem Parlament; daraus entstand eine Blindenbeihilfe auf Landesebene, die aber später an Wert verlor.
Hilfsmittel und Angebote:
- 1956 wurde eine Hilfsmittelzentrale eingerichtet.
- 1957 führte der Dr. Karl Renner-Preis zur Gründung der ersten Hörbücherei für Blinde in Österreich.
Wachstum und Organisationsentwicklung (1960er–1980er)
- 1960 fand der zweite Blindenwohlfahrtstag statt – mit dem Thema „Die soziale Stellung der Blinden in Österreich“.
- 1967–1987 war Hofrat Matthias Bleier Präsident des Verbandes.
- In den 70er-Jahren verbesserten sich Arbeitsmöglichkeiten und vereinsinterne Infrastrukturprojekte.
- In den 80er-Jahren rückten Rehabilitation, kulturelle Angebote und schulische Integration stärker in den Mittelpunkt.
Modernisierung und Namensänderungen (1990er)
- 1990 wurden die Hörbücherei des Verbandes der Kriegsblinden und die des ÖBV zur gemeinsamen Hörbücherei zusammengeführt.
- 1993 trat das Bundespflegegeldgesetz in Kraft, das einheitliche Leistungen inklusive für blinde Menschen brachte.
- 1997 verankerte der Nationalrat die Gleichbehandlung behinderter Menschen in der Verfassung (später Behindertengleichstellungsgesetz).
- 1999 änderte der Verband seinen Namen zu „Österreichischer Blinden- und Sehbehindertenverband“ (ÖBSV), um auch hochgradig sehbehinderten Menschen den Zugang zu erleichtern und gründete eine eigene Landesgruppe in Salzburg.
- Ebenfalls 1999 wurde Prof. Klaus Guggenberger Präsident.
Kooperationen und inklusives Engagement (2000er bis zur Gegenwart)
- Ab 2000 intensivierte der Verband seine Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen, z. B. im Berufsbildungs- und Forschungszentrum für Blinde und Sehbehinderte.
- 2003 beteiligte sich der Verband am Europäischen Jahr für Menschen mit Behinderung mit zahlreichen Aktivitäten zur Sichtbarmachung von Bedürfnissen blinder Menschen.
- 2013 erfolgte die Umbenennung in die heutige Bezeichnung „Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich“ (BSVÖ).
Heute
Der BSVÖ ist die größte Selbsthilfeorganisation für blinde und sehbehinderte Menschen in Österreich und besteht aus sechs Landesorganisationen, die flächendeckend Angebote und Beratung bieten. Er ist Mitglied u. a. im Österreichischen Behindertenrat, der Europäischen Blindenunion und der Weltblindenunion.
