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Gegen Gewalt. Hilfe, Schutz und Vernetzung

BSVÖ im Fokus: Hilfe, Schutz und Vernetzung

Was tun, wenn man als blinde oder sehbehinderte Frau Gewalt erfährt? Ob körperlich oder psychisch, ob daheim, im Job oder unterwegs
Welche Anlaufstellen gibt es und an wen kann man sich wenden? So vielseitig Gewalt und Diskriminierung sein kann, so wichtig ist es, die Hilfsangebote zu kennen. Wir haben eine Überblicksliste für Sie zusammengestellt. 

Betroffene sind nicht allein. In Österreich gibt es spezialisierte Beratungsstellen, Frauenorganisationen, Gewaltschutzeinrichtungen und Interessenvertretungen, die Unterstützung anbieten. Einige Organisationen haben sich ausdrücklich auf die Lebensrealitäten von Frauen mit Behinderungen spezialisiert.

Als Erstanlaufstelle ist Ihre Landesorganisation des Blinden- und Sehbehindertenverbandes  für Sie da. Hier finden Sie direkte und rasche Beratung und Menschen, die Ihnen zuhören und weiterhelfen. Zögern Sie nicht, sich anderen anzuvertrauen. 

Im Folgenden findet sich eine Übersicht wichtiger Anlaufstellen, Beratungsangebote und Unterstützungsprogramme.

1. Spezialisierte Anlaufstellen für Frauen mit Behinderungen

Ninlil – Empowerment und Beratung für Frauen mit Behinderungen*

Ninlil ist eine spezialisierte Wiener Beratungsstelle für Frauen mit Behinderungen. Die Organisation unterstützt Frauen, die Gewalt erfahren haben, und setzt sich für Selbstbestimmung, Empowerment und die Stärkung ihrer Rechte ein.

Das Angebot umfasst psychosoziale Beratung, Unterstützung bei Gewalterfahrungen sowie Gruppenangebote und Seminare. Besonders wichtig ist die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt und Gewalt in Abhängigkeitsverhältnissen.

Kraftwerk – Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an Frauen mit Lernschwierigkeiten

Kraftwerk ist ein Arbeitsbereich von Ninlil und richtet sich insbesondere an Frauen mit Lernschwierigkeiten, die sexualisierte Gewalt erlebt haben.

Die Fachstelle bietet psychosoziale Beratung, Empowerment-Gruppen, Seminare und Unterstützung für betroffene Frauen. Auch Angehörige, Betreuerinnen, Assistentinnen und andere Bezugspersonen können Beratung in Anspruch nehmen.

Zeitlupe – Peer-Beratung für Frauen mit Behinderungen

Zeitlupe ist ebenfalls ein Angebot von Ninlil. Die Beratungsstelle arbeitet nach dem Peer-Counseling-Prinzip: Frauen mit Behinderungen beraten andere Frauen mit Behinderungen. Dadurch fließen neben fachlichem Wissen auch persönliche Erfahrungen in die Beratung ein.

Themen sind unter anderem Diskriminierung, persönliche Assistenz, Wohnen, Beziehungen, Sexualität, Selbstbestimmung und der Umgang mit Behörden. Auch Frauen mit chronischen Erkrankungen können das Angebot nutzen.

BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben

BIZEPS bietet Peer-Beratung für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige. Die Beratung orientiert sich an den Grundsätzen der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung.

Frauen können sich bei Fragen zu ihren Rechten, Selbstbestimmung, persönlichen Unterstützungsleistungen und Diskriminierung an die Organisation wenden. BIZEPS ist keine reine Frauenberatungsstelle, kann aber eine wichtige ergänzende Anlaufstelle sein.

2. Österreichweite Anlaufstellen bei Gewalt

Frauenhelpline gegen Gewalt – 0800 222 555

Die Frauenhelpline ist eine österreichweite, kostenlose und anonyme Erstanlaufstelle für Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind.

Sie ist rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, erreichbar. Angeboten werden Krisenberatung, psychosoziale Erstunterstützung, Informationen zu rechtlichen und sozialen Fragen sowie die Vermittlung an regionale Frauenberatungsstellen und Schutzeinrichtungen.

Die Beratung erfolgt mehrsprachig. Für gehörlose Frauen gibt es in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gebärdensprache und RealyService auch ein entsprechendes Beratungsangebot.

Gewaltschutzzentren Österreichs

Die Gewaltschutzzentren unterstützen Frauen, die von häuslicher Gewalt, Gewalt in Beziehungen oder Stalking betroffen sind.

Sie bieten psychosoziale und rechtliche Beratung, Unterstützung bei der Entwicklung von Sicherheitsmaßnahmen und Begleitung im Zusammenhang mit rechtlichen Schritten.

Die Einrichtungen sind in allen Bundesländern vertreten. Die österreichweite Servicenummer hilft bei der Vermittlung an die zuständige regionale Stelle.

Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)

Der Verein setzt sich für den Schutz gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder ein und vernetzt Frauenhäuser sowie Frauenberatungsstellen in Österreich.

Neben Informationen zu Schutzmöglichkeiten stellt der AÖF auch Materialien zur Verfügung, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen mit Behinderungen ausgerichtet sind.

Dazu zählen beispielsweise die Gewaltschutzbroschüre in Brailleschrift und Informationen für gehörlose Frauen.

  • Telefon: 01 544 08 20
  • Website: www.aoef.at
  • Frauenhelpline: 0800 222 555

Weißer Ring – Opferhilfe Österreich

Der Weiße Ring unterstützt Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind. Das Angebot umfasst psychosoziale und rechtliche Beratung sowie Prozessbegleitung.

Auch Frauen mit Behinderungen, die körperliche, sexuelle oder andere strafrechtlich relevante Gewalt erlebt haben, können Unterstützung erhalten.

Onlineberatung HelpCh@at – Halt der Gewalt

Für Frauen, die nicht telefonieren können oder möchten, gibt es mit HelpCh@at ein anonymes Online-Beratungsangebot.

Frauen können sich dort Unterstützung holen, ohne persönlich eine Beratungsstelle aufsuchen zu müssen.

3. Anlaufstellen bei Diskriminierung und Benachteiligung

Behindertenanwaltschaft Österreich

Die Behindertenanwaltschaft ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Behinderungen, die Diskriminierung erfahren.

Sie berät und unterstützt unter anderem bei Benachteiligungen aufgrund einer Behinderung im Arbeitsleben und in anderen Lebensbereichen, die unter die einschlägigen Gleichstellungsgesetze fallen.

Frauen können sich beispielsweise melden, wenn ihnen aufgrund ihrer Behinderung der Zugang zu Dienstleistungen verweigert wird oder sie im Berufsleben benachteiligt werden.

Gleichbehandlungsanwaltschaft

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft unterstützt Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts oder anderer gesetzlich geschützter Merkmale diskriminiert werden.

Für Frauen mit Behinderungen ist insbesondere die Beratung bei geschlechtsbezogener Diskriminierung im Zusammenhang mit weiteren Benachteiligungen relevant. Die Anlaufstelle informiert über Rechte und mögliche rechtliche Schritte.

4. Spezielle Hilfsangebote für Frauen mit Behinderungen in Wien

24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien

Der Frauennotruf ist eine Anlaufstelle für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt erleben oder erlebt haben.

Angeboten werden Krisenintervention, psychosoziale und rechtliche Beratung sowie Unterstützung bei weiteren notwendigen Schritten. Auch eine Begleitung zur Polizei, ins Krankenhaus oder vor Gericht ist möglich.

Besonders hervorzuheben: Die Räumlichkeiten und der Zugang zur Beratungsstelle sind barrierefrei.

Wiener Frauenhäuser

Die Wiener Frauenhäuser bieten Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, und ihren Kindern Schutz und eine vorübergehende Unterkunft.

Der Notruf ist rund um die Uhr erreichbar. Betroffene erhalten Informationen über Schutzmöglichkeiten und die Aufnahme in einem Frauenhaus.

Frauen mit Behinderungen sollten bereits beim Erstkontakt ihre konkreten Unterstützungs- und Barrierefreiheitsbedürfnisse ansprechen, damit die Möglichkeiten einer geeigneten Unterbringung abgeklärt werden können.

Frauenberatung – Notruf bei sexueller Gewalt

Die Wiener Frauenberatung unterstützt Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die sexualisierte Gewalt erlebt haben.

Das Angebot umfasst psychosoziale Beratung und Krisenbegleitung. Auch Frauen, deren Gewalterfahrung bereits länger zurückliegt, können sich an die Beratungsstelle wenden.

5. Informations- und Empowermentangebote

Kraft-Rucksack – für Frauen mit Gewalterfahrung*

Der Kraft-Rucksack ist ein Informations- und Unterstützungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben.

Die Website stellt Informationen und Übungen zur Verfügung, die Frauen dabei unterstützen sollen, ihre eigenen Stärken wahrzunehmen und sich mit ihrer Gewalterfahrung auseinanderzusetzen.

Besonders wichtig ist die barrierefreie Aufbereitung: Die Inhalte sind auch in Leichter Sprache und in Österreichischer Gebärdensprache verfügbar.

Schrei gegen Gewalt – Informationen für gehörlose Frauen

Dieses Angebot stellt Informationen zum Schutz vor Gewalt speziell für gehörlose Frauen bereit.

Es soll den Zugang zu Wissen über Gewalt, Schutzmöglichkeiten und Hilfsangebote erleichtern.

Hazissa – Fachstelle für Prävention sexualisierter Gewalt

Hazissa mit Sitz in Graz setzt sich für die Prävention sexualisierter Gewalt ein. Zu den Angeboten gehören Workshops und Maßnahmen zur Gewaltprävention, unter anderem für Frauen und Mädchen mit Behinderungen.

Das Angebot richtet sich auch an Einrichtungen und Fachkräfte, die mit Menschen mit Behinderungen arbeiten.

6. Wichtige Notrufnummern auf einen Blick

Bei akuter Gefahr oder wenn sofortige Hilfe benötigt wird, stehen folgende Notrufnummern zur Verfügung:

  • Polizei: 133
  • Polizeinotruf für gehörlose Frauen und Mädchen: SMS an 0800 133 133 oder E-Mail an gehoerlosennotruf(at)polizei.gv.at
  • Rettung: 144
  • Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555 (rund um die Uhr)
  • Wiener Frauenhaus-Notruf: 05 77 22 (rund um die Uhr)
  • 24-Stunden Frauennotruf Wien: 01 717 19
  • Weißer Ring – Opfer-Notruf: 0800 112 112

Hilfe muss für alle zugänglich sein

Frauen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf Schutz, Sicherheit und ein selbstbestimmtes Leben. Gewalt darf nicht verharmlost werden – auch dann nicht, wenn sie im Rahmen von Pflege, Betreuung oder persönlicher Assistenz stattfindet.

Entscheidend ist, dass Hilfsangebote tatsächlich für alle Frauen erreichbar sind. Dazu gehören barrierefreie Räumlichkeiten, Informationen in Leichter Sprache, Gebärdensprachdolmetschung, zugängliche digitale Angebote und eine Beratung, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt.

Der Zugang zu Hilfe darf nicht von der Art der Behinderung, der persönlichen Lebenssituation oder der Möglichkeit abhängen, selbstständig telefonieren und eine Beratungsstelle aufsuchen zu können.

Empowerment bedeutet deshalb auch, Frauen mit Behinderungen darin zu stärken, ihre Rechte einzufordern, eigene Entscheidungen zu treffen und selbstbestimmt über ihr Leben zu bestimmen.

Niemand muss Gewalt hinnehmen. Hilfe zu suchen ist ein Recht – und es gibt Anlaufstellen, die unterstützen.