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BSVÖ im Fokus

BSVÖ im Fokus: Geld. Bargeldlos zahlen – Mobile Zahlungsgeräte und öffentliche Pincodes.

BSVÖ im Fokus: Geld. Bargeldlos zahlen – Mobile Zahlungsgeräte und öffentliche Pincodes.

Bargeldloses Bezahlen soll schnell, unkompliziert und sicher sein. Karte, Smartphone oder Smartwatch an das Terminal halten, gegebenenfalls den PIN eingeben – und schon ist der Einkauf bezahlt. Was für viele Menschen komfortabel und nebenbei erledigt werden kann, kann für blinde und sehbehinderte Menschen zur Geduldsprobe und finanziellen Sicherheitslücke werden.

 

Die Tücke liegt dabei nicht primär in den meist fix verankerten Zahlungsgeräten von etwa Supermarktketten oder gar Banken, sondern in den mobilen Zahlungslösungen, die in Kleinstrukturen zum Bezahlen an verschiedenen Orten eingesetzt werden können. Von der Änderungsschneiderei nebenan bis hin zum kleinen Café sind mobile Zahlungsgeräte breit im Einsatz – und genau das macht sie so mühsam. Denn die handlichen Geräte bestehen zunehmend aus einem glatten Touchscreen. Was modern und platzsparend wirkt, wird für Menschen, die einen Bildschirm nicht oder nur eingeschränkt wahrnehmen können, schnell zu einer entscheidenden Barriere.

Wenn der Touchscreen zur Sicherheitslücke wird

Ein PIN-Code ist kein kleines Detail am Ende eines Bezahlvorgangs. Er ist die letzte Schutzmauer vor dem eigenen Konto – und damit eindeutig Privatsache. Genau deshalb muss seine Eingabe vertraulich, sicher und vor allem selbstbestimmt möglich sein.

Doch was passiert, wenn das Bezahlterminal statt tastbarer Tasten nur einen Touchscreen anbietet? Für blinde oder stark sehbehinderte Menschen kann aus einem simplen Tippen schnell ein Blindflug werden. Ist das Gerät nicht zugänglich, bleibt unter Umständen nur eine Möglichkeit: Eine andere Person muss den PIN eingeben.

Damit wird aus einer persönlichen Sicherheitsvorkehrung plötzlich eine Angelegenheit für Dritte. Der PIN, der eigentlich niemanden etwas angeht, wandert im schlimmsten Fall genau dorthin, wo er nicht hingehört: in fremde Hände.

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ) weist auf genau diese Problematik hin. Wer einen PIN ausschließlich über einen nicht zugänglichen Touchscreen eingeben kann, ist möglicherweise darauf angewiesen, dass eine andere Person die Eingabe übernimmt – und kann damit weder sicherstellen, dass der richtige PIN eingegeben wird, noch verhindern, dass er dabei beobachtet wird.

Und damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn auch der Betrag muss stimmen – und zwar nicht nur auf dem Display, sondern auch in der eigenen Kontrolle darüber.

Wenn ein Terminal einen Betrag anzeigt, der für die Kundin oder den Kunden nicht zugänglich ist, fehlt eine entscheidende Information. Gibt es keine Sprachausgabe, keine taktile Orientierung oder eine andere geeignete Kontrollmöglichkeit, bleibt nur Vertrauen: Darauf, dass jemand den richtigen Betrag vorliest. Darauf, dass die richtige Summe eingegeben wird. Und schließlich darauf, dass auch der PIN korrekt eingegeben wird.

Vertrauen statt Kontrolle

„Der Betrag wird schon stimmen“ ist vielleicht eine beruhigende Floskel – aber keine Grundlage für einen sicheren Zahlungsvorgang.

Wer selbst nicht überprüfen kann, welcher Betrag am Terminal steht, gibt einen Teil der Kontrolle über die eigene Transaktion ab. Aus einem selbstbestimmten Bezahlvorgang wird ein Vorgang nach dem Prinzip: „Ich vertraue darauf, dass es passt.“

Gerade bei Finanzgeschäften ist das eine schlechte Ausgangslage. 

Barrierefreiheit endet nicht beim Bezahlen

Eine Karte kontaktlos an ein Terminal halten zu können, macht einen Bezahlvorgang noch lange nicht barrierefrei. Entscheidend ist nicht, ob die Karte erkannt wird. Entscheidend ist, ob der gesamte Zahlungsvorgang selbstständig, sicher und kontrollierbar abgeschlossen werden kann.

Gerade moderne mobile Terminals zeigen, wie schnell Digitalisierung und Barrierefreiheit auseinanderlaufen können. Ein schlankes Gerät, das für sehende Kundinnen und Kunden elegant, intuitiv und unkompliziert wirkt, kann für blinde Menschen zur digitalen Sackgasse werden.

Touchscreens sind schließlich von schlankem Design  modern und wirklich nicht barrierefrei. 

Für nutzbare Zahlungsterminals braucht es Lösungen, die mehr können als nur gut auszusehen. Taktile Tasten können die selbstständige PIN-Eingabe ermöglichen. Sprachausgabe kann Informationen zugänglich machen. Eindeutig erkennbare Bedienelemente und eine zugängliche Darstellung können zusätzliche Orientierung schaffen.

Bargeldlos darf nicht selbstbestimmungslos bedeuten

Die Entwicklung hin zum bargeldlosen Bezahlen macht diese Frage immer wichtiger. Kartenzahlung gehört längst zum Alltag – im Geschäft, im Restaurant, beim Einkauf zwischendurch. Wenn bargeldloses Bezahlen zur Selbstverständlichkeit wird, muss auch selbstverständlich sein, dass alle Menschen es sicher und eigenständig nutzen können.

Der BSVÖ steht deshalb mit Anbietern von Zahlungsterminals und der Wirtschaftskammer Österreich im Austausch, um auf bestehende Barrieren aufmerksam zu machen. Gleichzeitig braucht es mehr Bewusstsein bei Herstellern und Unternehmen.

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