ASSIST HEIDI verbindet technische Ausbildung mit Inklusion und internationaler Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Entwicklung assistiver Technologien für Menschen mit Behinderungen. Dabei werden Betroffene nicht nur als Nutzer oder Testpersonen einbezogen, sondern als Co-Designer aktiv an der Entwicklung beteiligt.
Entwickelt wurde das Projekt an der FH Technikum Wien unter der Leitung von Martin Deinhofer. Beteiligt sind Lehrende aus den Bereichen Electronic Engineering & Entrepreneurship sowie Life Sciences Engineering aber auch – und das ist der springende Punkt, Expert:innen mit Behinderung. Frau Dr. Susanne Buchner-Sabathy brachte als blinde Expertin für digitale Barrierefreiheit umfangreiches Wissen mit ein. Internationale Studierende arbeiten in englischsprachigen, interdisziplinären Teams gemeinsam mit den Co-Designer an konkreten Problemen aus deren Alltag.
Orientiert am Design-Thinking-Ansatz werden Bedürfnisse ermittelt, Ideen entwickelt, Prototypen gebaut, getestet und verbessert. Entstanden sind unter anderem angepasste Joysticks für Rollstühle und Gaming, taktile Spiele für blinde Menschen sowie ein System zur Digitalisierung historischer Braille-Unikate.
Ziel ist es, technische Lösungen zu entwickeln, die tatsächlich den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen. Gleichzeitig sollen Studierende Kompetenzen wie Teamarbeit, interkulturelle Kommunikation, Inclusive Design und gesellschaftliche Verantwortung erwerben. Durch die internationale Zusammenarbeit fördert ASSIST HEIDI außerdem die „Internationalisierung zu Hause“. Die entwickelten Lösungen werden als Open Source veröffentlicht, damit Wissen und Technologien weiterverwendet und weiterentwickelt werden können.
Würdigung durch die Jury
Mit dem Anerkennungspreis in der Kategorie „Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre“ des Ars Docendi-Staatspreises für exzellente Lehre würdigt die Jury mit ASSIST HEIDI ein Lehrkonzept, das in beeindruckender Weise zeigt, wie fachliche Ausbildung und gesellschaftliche Verantwortung im Technikstudium zusammengedacht werden können.
In ASSIST HEIDI wird an der FH Technikum Wien konsequent die Verbindung praxisnaher Fachlehre mit ethischer Reflexion gefördert. Studierende entwickeln im Rahmen einer Lehrveranstaltung technische Hilfsmittel, die auf Herausforderungen aus dem gelebten Alltag von Menschen mit Behinderung reagieren. Die entwickelten Lösungen werden anschließend unter einer Open-Source-Lizenz frei zugänglich gemacht, sodass das Handeln der Studierenden weit über den Kursraum hinaus wirken kann.
Anerkennungspreis: Entscheidungskompetenz systematisch entwickeln
Das Herzstück dieses seit 2022 regelmäßig angebotenen Formats sind die Co-Designer:innen – Menschen mit Behinderung, die die Lehrveranstaltung als Expert:innen und Perspektivgeber:innen bereichern. Als vergütete, externe Lehrende bringen sie ihr Wissen über erlebte sowie potenzielle Alltagsherausforderungen in die Veranstaltung ein und tragen dadurch maßgeblich zur Gestaltung der Lehr- und Designprozesse bei. Der Mehrwert des hier adaptierten Service Learning-Ansatzes entsteht durch die Zusammenarbeit zwischen CoDesigner:innen und Studierenden. Beide treten von Beginn an in einen Dialog und ergründen gemeinsam technische Anforderungen sowie gelebte Alltagsrealitäten. Diese strukturelle Einbindung der Co-Designer:innen signalisiert unmissverständlich, dass ihre Perspektive unverzichtbar für die Entwicklung praxistauglicher und bedarfsorientierter Designs ist. Für die Technikstudierenden entsteht so ein Lernkontext, der sie auffordert, die gesellschaftliche Verantwortung ihres Faches tiefgehend zu reflektieren.
Zusätzlich zu diesem herausragenden Element zeichnet sich ASSIST HEIDI dadurch aus, dass es den Studierenden das Lernen in einer internationalen Gruppe ermöglicht. Realisiert als Summer School oder Semesterkurs ermöglicht es dadurch insbesondere jenen Studierenden eine internationale Lernerfahrung, für die ein Auslandssemester aus familiären oder beruflichen Gründen nicht realisierbar ist.
Die Jury würdigt ASSIST HEIDI als ein Lehrprojekt, das exemplarisch vorlebt, wie das Technikstudium gesellschaftlich bedeutsam, inklusiv und zukunftsorientiert gestaltet werden kann – und das dabei konsequent ernst nimmt, was Inklusion wirklich bedeutet: nicht Teilhabe als Geste, sondern Mitgestaltung als Prinzip.
(Quelle: Broschüre: Ars Docendi 2026, Staatspreis für exzellente Lehre an Österreichs öffentlichen Universitäten, Fachhochschulen, Privatuniversitäten und Pädagogischen Hochschulen. Online: https://gutelehre.at/fileadmin/Heimische_Exzellenz/Ars_Docendi/2026/260903_Ars_Docendi_2026_BF.pdf)

