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31.05.2012

Uneingeschränkter Zugang zu Büchern und Zeitschriften!

Österreich sagt derzeit noch NEIN zu dieser Forderung

Europakarte © EBU

Auf der Europakarte (Link im Text) kann man die jeweilige Position der einzelnen Regierungen abrufen.

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Blinde und sehbehinderte Menschen besitzen nur sehr eingeschränkten Zugang zu urheberrechtlich geschützten Büchern und Zeitschriften. Über 95 Prozent der Veröffentlichungen in Europa sind nicht in Formaten zugänglich, die für diesen Personenkreis konsumierbar sind, wie etwa Braille-Blindenschrift, Großdruck für sehbehinderte Menschen oder Audioversionen.

Auf Ebene der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) laufen seit 2009 Verhandlungen über eine generelle Ausnahme vom Urheberrecht für Braille und andere zugängliche Formate, die den grenzüberschreitenden Austausch von Lesematerial für blinde und sehbehinderte Menschen erleichtern soll. Mitte Juli 2012 gehen die Verhandlungen in die nächste Runde. Österreich sagt derzeit (noch) NEIN zu dieser Forderung und widersetzt sich damit dem in Artikel 21 der Behindertenrechtskonvention (BRK) gesetzlich verankerten "Zugang zu Informationen".

Österreich setzt sich über BRK hinweg

Darin heißt es: "Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit, Informationen und Gedankengut sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben, gleichberechtigt mit anderen und durch alle von ihnen gewählten Formen der Kommunikation im Sinne des Artikels 2 ausüben können, unter anderem indem sie a) Menschen mit Behinderungen für die Allgemeinheit bestimmte Informationen rechtzeitig und ohne zusätzliche Kosten in zugänglichen Formaten und Technologien, die für unterschiedliche Arten der Behinderung geeignet sind, zur Verfügung stellen;"

Die Europäische Blindenunion (EBU) hat nun eine Karte der Länder der Europäischen Union (EU) erarbeitet, die die jeweilige Regierungsposition der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zum WIPO-Abkommen wiedergibt. Darauf lässt sich über die Europakarte schnell die zustimmende, ablehnende oder unentschlossene Haltung der Länder in Erfahrung bringen und zugleich Kontakt zu den Verantwortlichen auf nationaler Ebene aufnehmen, um Unterstützung für den verbesserten Zugang zu barrierefreien Büchern einzufordern.

BSVÖ-Präsident Dr. Markus Wolf, Mitglied der EBU-Verbindungskommission: "Es ist an der Zeit, dass die Vertreter der Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten in der WIPO ihre Blockadehaltung vor der im Juli 2012 beginnenden Verhandlungsrunde aufgeben und damit die in der Charta der Grundrechte der EU sowie im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen festgelegten Rechte von Menschen mit Behinderungen ernst nehmen."

Kontakt: Mag. Jürgen Menze, Tel. +43 (0) 1 9827584 204