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07.03.2011

Glaukom: Die heimtückische Gefahr

Am 12. März ist Weltglaukomtag. ÖsterreichsTop-Augenärzte klären auf

glaukom2011 © Aamon/Fotolia.de

Wie eingeschränkt das Gesichtsfeld beim Grünen Star ist, zeigt dieser Vergleich der Aufnahme von radfahrenden Kindes aus der Sicht eines erkrankten bzw. gesunden Autofahrers.

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Weil die Krankheit schmerzfrei verläuft, wird der "grüne Star" oft nicht rechtzeitig erkannt. Welche Auswirkungen dies beim Autofahren haben kann, davor warnte heute der Autofahrerklub ARBÖ in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft.

Das Glaukom, besser bekannt als  "grüner Star", ist in den Industriestaaten die zweithäufigste Erblindungsursache. Und das, obwohl der Zugang zu moderner Diagnose und Therapie einfach ist. Auch hierzulande.

Trotzdem: In Österreich sind etwa 80.000 Menschen von einem Glaukom betroffen. Mehr als 35.000 Personen sind bereits sehbehindert. Denn: Bleibt die Krankheit unentdeckt, kommt es zu irreparablen Ausfällen im Gesichtsfeld und zu einer starken Beeinträchtigung des Sehvermögens, die unbehandelt bis zur Erblindung führen kann. 

Schmerzfrei, obwohl Nervenfasern zerstört sind 

"Schätzungen zufolge ist lediglich jedes zweite Glaukom entdeckt. Wir haben es also mit einer hohen Dunkelziffer zu tun. Die Ursache von Glaukom ist meist ein krankhaft erhöhter Augeninnendruck und / oder eine schlechte Durchblutung des Sehnervs. Beim - am häufigsten auftretenden - chronischen Glaukom hat der Betroffene meist keinerlei Symptome und ist sogar schmerzfrei. Oft sind dann aber schon 50 bis 60 Prozent der Nervenfasern zerstört.

So müssen wir noch immer bis zu 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr verzeichnen. Das ist leider eine hohe Zahl", fasst Anton Hommer, Oberarzt an der Augenklinik des Sanatoriums Hera und Mit-Initiator des Weltglaukomtages in Österreich, die aktuelle Faktenlage zusammen.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt neben dem Alter und der familiären Belastung auch der Augeninnendruck, der ein entscheidender Ansatzpunkt für die Therapie ist. Aber auch Weit- oder Kurzsichtigkeit, andere Augenerkrankungen und Durchblutungsstörungen können die Entstehung eines Glaukoms begünstigen.

Anton Hommer erläutert: "Besonders risikogefährdet sind Menschen ab dem 40. Lebensjahr, da Glaukom eine Erkrankung ist, die mit dem Alter zunimmt. Wir Augenärzte erkennen die Schädigung des Sehnervs durch Glaukom an einer charakteristischen Eindellung des Sehnervenkopfes. Wichtig ist aber, dass die Erkrankung bereits im Frühstadium erkannt wird, bevor eine funktionelle Schädigung die Sehleistung für immer beeinträchtigt. Deshalb ist eine einmal jährliche augenärztliche Untersuchung jedem anzuraten. Früherkennung ist nun einmal die beste Therapie. Denn an einem Glaukom zu erkranken, bedeutet für die Betroffenen eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität. Sei es am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Straßenverkehr."

Nur ein Guckloch in der Scheibe?  Glaukom beim Autofahren und Gehen

Auf diesen Aspekt macht die Autofahrerorganisation ARBÖ aufmerksam. ARBÖ-Verkehrsmediziner Josef Nagler klärt gemeinsam mit Österreichs Augenärzten auf: "Das Gesichtsfeld der Glaukom-Betroffenen kann massiv eingeschränkt sein, also das, was aus den Augenwinkeln wahrgenommen wird. Sie übersehen im Laufe der Zeit immer mehr Objekte am Rande des Gesichtsfeldes, etwa  Menschen oder Hindernisse, die von der Seite her plötzlich auf tauchen. Erst wenn diese direkt in den zentralen Fokus der Glaukom-Lenker geraten, werden sie wahrgenommen. Dann kann es aber zum Bremsen oder Ausweichen schon zu spät sein". Für eine rechtzeitige Reaktion ist die periphere Sicht (das, was aus den Augenwinkeln wahrgenommen wird) genauso wichtig, wie das zentrale Sehen. 

Eine weitere Falle entsteht dadurch, dass das "gesunde" Auge den Ausfall des anderen wettmacht. Das "gute" Auge hilft, die zwei Fußgänger am Zebrastreifen doch noch wahrzunehmen. Weil aber durch die Glaukom-Erkrankung die Tiefenschärfe verloren geht, können Autofahrer nicht mehr richtig einschätzen, wie weit diese Fußgänger von ihm entfernt sind.

Gefährliche Folgen kann eine Glaukom-Erkrankung auch für Fußgänger haben, die dann Schwierigkeiten haben, Treppen zu steigen oder Schwellen und Gehsteigränder wahr zu nehmen. Verkehrsmediziner Nagler: "Stürze und der gefürchtete Schenkelhalsbruch sind die fatalen Folgen".

Für die Mobilität und die Verkehrssicherheit der Menschen ist es umso  wichtiger, dass man regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht. Im Rahmen einer - völlig schmerzfreien - Vorsorgeuntersuchung wird der Augeninnendruck gemessen und der Zustand des Sehnervenkopfes sowie der Nervenfasern bewertet und das Gesichtsfeld überprüft. 

Das Therapieziel: Sehen erhalten

Am 12. März findet der Welt-Glaukomtag statt. Anlass für Österreichs Augenärzte aufzuklären, dass man gegen Glaukom sehr wohl etwas machen kann. Denn: Ziel jeder Glaukomtherapie ist es, dem Betroffenen das Sehen und die Lebensqualität zu erhalten, solange er lebt. Hierbei gilt: Je früher die Therapie ansetzt, desto erfolgreicher kann sie sein. Ein bereits entstandener Schaden kann nie wieder repariert werden.

Der Aufklärung in Sachen Augenlicht widmet sich auch Schauspielerin und Buchautorin Chris Lohner seit Jahren. Chris Lohner engagiert sich im Rahmen des Hilfsprogrammes "Licht für die Welt" für Menschen mit Sehbehinderung in Entwicklungsländern.

Ihren Einsatz im Rahmen des Welt-Glaukomtages in Österreich erklärt sie so: "Es ist erschreckend, dass wir hierzulande noch immer eine Dunkelziffer von 50% bei Glaukom haben. Ich habe seit Jahren mit diesem Thema zu tun. Daher kann ich nur appellieren: Spielen Sie nicht mit Ihrem Augenlicht! Glaukom kann jeden treffen. Daher: Gehen Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung." 

Am 12. März wird im Rahmen des Welt-Glaukomtages ein Zelt auf dem Herbert-von-Karajan-Platz neben der Oper aufgestellt, wo Interessierte sowie Betroffene ihr Sehvermögen von Augenärzten untersuchen lassen können.